Berlin im Sommer…

Lange, lange herbeigesehnt ist der Sommer in der Großstadt dann auch binnen weniger Tage wieder zum Teufel gewünscht. Weil vieles, gaaaanz vieles nervt.

Doch es gibt sie auch – die echt geilen Seiten der heißen Tage. Eine zwiespältige Hommage an den Sommer in Berlin. Das T-Shirt klebt, der Steh-Nachbar auf mehr als Tuchfühlung verströmt verzichtenswerte olfaktorische Aromen und wir stehen seit gefühlten 20 Minuten auf der Strecke. Willkommen im Sommer in Berlin. Nicht nur die Stadtbahn fährt nicht – und die Regio-Züge sind ein übervoller schlechter Ersatzscherz -, sondern die ganze Stadt ist eine einzige Baustelle. Egal, ob als ÖPNV-Nutzer oder Autofahrer: Man wird auf eine harte Probe gestellt in dieser Jahreszeit. Jedes Jahr. Je heißer desto härter. Wobei: Wenigstens Parkplätze sind derzeit keine Mangelware. Jeder, der irgendwie kann, scheint die Stadt verlassen zu haben. Neid spiegelt sich in den Gesichtern der arbeiten müssenden da Gebliebenen wieder. Doch halt! Auch, wenn BVG, S-Bahn und Senat uns mit Verkehrswirren das Sommerleben zur Hitzehölle machen (keine Ahnung, wieso es in klimatisierten Trams entweder schweißheiß oder mörderkalt ist …), wir übersehen da vielleicht in der aufgeheizten Negativ-Alltagsstimmung so manches wichtige Detail. Sommer in Berlin ist auch suuupergeil. Alles eine Frage das Standpunkts. Den könnte man ganz einfach sobald Zeit ist ans, aufs oder ins Wasser verlegen … und dann sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Keine vergleichbar große Stadt in Mitteleuropa kann Berlin in Punkto Vielfalt an erfrischendem Nass das Wasser reichen.

Vom Tretboot in Köpenick oder Kanu im Spreewald aus, sieht der Sommer ungemein gut aus. Er lacht uns ins Gesicht und wir dankbar zurück. Wer nicht so viel Zeit hat, der packt die Badehose ein, nimmt sein kleines Schwesterlein und latscht einfach an den nächsten verfügbaren See. Plötzensee, Weißensee, Wannsee … egal … Berlin hat so viel Wasserlöcher im Antlitz wie ein Teenie Pickel im Gesicht. Und sobald die Nacht sich anschickt, uns verschwitzten Großstädtern mit ihrer Abendbrise eine kleine Atempause zu verschaffen, lässt der Blick gen Horizont den Ärger des Tages vergessen. Berliner Sommerabendhimmel. Lila Wolken. Endlos. Alteingesessene, Zugezogene und Kurzzeitstädter … so gut wie keiner kann sich der Magie dieses Anblicks entziehen. Auch nach 50 Jahren nicht. Dann noch ein kühlet Bierchen … und das draußen! Wenn in vielen anderen Städten längst Zapfenstreich ist, darf in Berlin noch ganz legal vor der Türe geprostet werden. So manche Freundschaft hat sich schon vor einem Späti ergeben.

Abgesehen davon punktet der Sommer mit Konzerten unterm Sternenhimmel, Open-Air-Kinos und gaaanz vielen Festen, wie zum Beispiel das Internationale Bierfestival, Deutsch-Amerikanische Volksfest oder der Summer in the City auf dem Breitscheidplatz. Ja, klar, das macht jetzt das Verkehrschaos nicht besser. Aber immerhin könnte man beim nächsten Mal in der propevollen Schweißtram die Augen schließen und an ein kühles Bier am Spreeufer denken. Hilft. Zumindest ein bisschen.

Artikelfoto: © pixabay.com / CC0 Public Domain /ThomasWolter

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