Das RAW-Gelände: Neuer Eigentümer, viel Hoffnung und offene Fragen

RAW Gelände Berlin

Wo vor 100 Jahren in Friedrichshain Lokomotiven und Wagen repariert wurden, pulsiert heute das Nachtleben. Richtig, die Rede ist vom Gelände der ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkstatt, vielen nur mehr unter der Abkürzung RAW-Gelände bekannt.

Dieses wechselte vor kurzem den Eigentümer. Die Immobiliengruppe Kurth hat den Großteil des Areals gekauft, 52.000 Quadratmeter, um kolportierte 25 Millionen Euro. Die jahrelangen Streiterein um Wohnungsbau auf dem Kultur- und Feier-Areal dürften damit beendet sein. Denn, wie die neuen Besitzer, Hans-Rudolf Kurth und sein Sohn Lauritz, verlauten ließen, planen sie nichts Derartiges.

Abgesehen von diesem Investoren-Versprechen wären Wohnungen auf dem RAW-Gelände derzeit sowieso schwierig zu realisieren. Die grün-dominierte BVV sprach sich erst im Juni 2014 gegen Wohnungsbau aus. Das würde, so die Befürchtung, zu großen „Nutzungskonflikten“ führen. Im Klartext: Es wohnt sich nicht so gut, wo vor allem an den Wochenenden Tausende Partywütige die Sau raus lassen. Allerdings gibt es aus der SPD nach wie vor Stimmen, die das RAW-Gelände als optimalen Standort für neue, innerstädtische Wohnungsgroßbauten sehen.

Zwar hat die Kurth-Gruppe versichert, keine Wohnungen bauen zu wollen. Gebaut werden soll aber trotzdem.

Unter dem Stichwort „Nachverdichtung“ wird überlegt, noch vorhandene, freie Flächen für Büros und Gewerbebetriebe, aber auch neue Läden zu erschließen. Genaue Pläne gibt es noch nicht. Trotzdem soll die „DNA des Geländes erhalten bleiben, wie es die Investoren formulieren. Niemand werde vertrieben, alle laufenden Mietverträge sollen bestehen bleiben. Das führte zu einem Aufatmen unter vielen, aber nicht allen Kulturinitiativen, die ihre Ateliers auf dem RAW-Areal haben. Für zumindest zwei baufällige, große Gebäude (das ehemalige Beamtenwohnhaus und das Verwaltungsgebäude) lautet der Kurth-Plan: Sanieren und daran verdienen – also an neue Interessenten vermieten. Die Künstler, die in diesen Häusern ihre Werkstätten haben, bangen um ihre Zukunft.

Die Clubbetreiber (Astra, Cassiopeia, Suicide Circus, …) und Sporteinrichtungen (Skaterhalle, Kletteranlage) hingegen können erstmal aufatmen. Für sie hat sich – zumindest für die nähere Zukunft – die Hoffnung in Realität umgewandelt: Dass alles großteils so bleibt, wie es ist.

A.Schmierer

(Artikelfoto: Eingang zum RAW Gelände – Foto: http://de.wikipedia.org/wiki/Warschauer_Straße#/media/File:RAW_Berlin_Tor1.jpg – Mikado59 – Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

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