Die brenzlige Lage der Berliner Feuerwehr

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Die brenzlige Lage der Berliner Feuerwehr –  „Ich will Feuerwehrmann werden!!“, posaunt Grisu, der kleine Drache, fröhlich in die Welt hinaus. Würde die Höhle des löschbegierigen Knirpses im Berlin der Jetztzeit liegen, dann hätte er seinen Berufswunsch wohl schon längst geändert.

  • Ein Kommentar von Lisa Steiner

Denn die Lage der Florianijünger in unserer Stadt ist alles andere als rosig. Ähnlich wie bei der Polizei – die Berliner Lokalnachrichten berichteten –  wird hier kaputtgespart, was ohnehin schon unterfinanziert ist.

Die Schlagworte lauten einmal mehr: wenig Geld für harte Arbeit, schlechtes oder veraltetes Equipment (so dieses überhaupt ausreichend vorhanden ist) und leere politische Versprechen. So müssen Berufsanwärter zwei Jahre lang mit weniger als 900 Euro Lohn auskommen. Dem Vernehmen nach soll ein nicht geringer Teil des Nachwuchses sogar Wohngeld oder Hartz IV beantragen müssen. Auch nach der Ausbildung – also als Beamter der Stadt – bekommt ein Hauptstadt-Retter weniger als seine Kollegen in den meisten großen deutschen Kommunen. Das alleine wäre schon Anlass genug, gefrustet zu sein. Doch Berlin spart bei der Feuerwehr natürlich auch an anderen – also eigentlich fast allen – Ecken und Enden. Viele Feuerwehrwachen sind Bauruinen, in der Feuerwehrschule funktioniere teils nicht einmal die Heizung und die Kopfbedeckungen – die ja dem Schutz der Einsatzkräfte dienen – sind, so heißt es „Schrott“. Sogar bei Einmalhandschuhen wird angeblich gespart … statt welche aus „ordentlichem Material“ kaufe die Stadt billige, die im Ernstfall zerreißen, statt vor Infektionen schützen.

Dass die Feuerwehr am Limit ist, zeigte zuletzt der Blitzeistag diesen Januar. Die Retter mussten schon zu mittag den Ausnahmezustand ausrufen. Bei Stürzen Verletzte mussten teils mit Polizeiautos in die ebenfalls völlig überlasteten Krankenhäuser gebracht werden. Dann streikte auch noch das – natürlich top-moderne – Computersystem der Leitzentrale (die Technik dort ist laut Gewerkschaft teils 20 Jahre alt) und man versuchte der Katastrophe mit Stift und Zettel Herr zu werden.

Die Feuerwehr-Gewerkschaft bilanzierte am Tag nach dem „Irrsinn“: „Für den Haushalt 2014/2015 wurden 264 neue Stellen für den Einsatzdienst gefordert, um zusätzlich 22 RTW in Dienst nehmen zu können. Genehmigt wurden 80 Stellen. 2008 wurden der Bevölkerung jedes Jahr fünf zusätzliche Rettungswagen (RTW) versprochen. Wenn die Verantwortlichen ihre Versprechen eingehalten hätten, wären am Montag wenigstens 30 RTW mehr da gewesen.“

Wäre, hätte, sollte – Worte, die man als Berliner nur allzu gut kennt. Doch vielleicht sollten der Senat und Bürgermeister Wowereit auch mal dran denken, wie sie selbst dreinschauen würden, wenn im Notfall keiner kommt.

(Foto: Pixabay | Public Domain)

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