Ein Streifzug durch das Viertel um den Savignyplatz

S-Bahnhof Savignyplatz

Der Savignyplatz ist der Mittelpunkt eines Viertels hinter dem Zoologischen Garten. Das Charlottenburg-Wilmersdorfer Viertel endet nördlich vor der Goethestraße. Östlich grenzt es an die Uhlandstraße, westlich an die Schlüterstraße und südlich an den Kurfürstendamm.

Laute Reggaemusik schallt vom Dach der Cramerstraße 12. Die Sonne scheint bei frühlingshaftem Wetter. Ein Pinsel bewegt sich auf und ab am Dachgeländer der Studentenverbindung Hütte. Heute ist Haus- und Hoftag (17. Mai). Unten auf dem Hof hilft Christopher Bölter beim Reinigen.

Der 28-jährige Mitarbeiter der Technischen Universität stellt die fast 170 Jahre alte Gruppierung vor. Die Hütte ist in einem Verein und in einer GmbH organisiert. Ihre Hauptaktivität ist Segeln, so Christopher Bölter. Für diesen Zweck besitzt sie ein Grundstück an der Havel in Spandau. Die Verbindung nehme Frauen auf, sei politisch offen und nicht sonderlich traditionell. Mit einer rechten Burschenschaft sei sie nicht vergleichbar. Dass die Frauen der Verbindung als Brüder angesprochen werden, mache keinen Unterschied.

Erbe aus der Gründerzeit
Eine Ecke weiter hat das Haushaltswaren-Geschäft C. Adolph seinen Sitz. Das Geschäft hat auch eine lange Geschichte. Sein Name, der viele Adolf Hitler assoziieren lässt, lässt sich bereits in Telefonbüchern aus der Zeit des Kaiserreichs an gleicher Stelle wie heute nachlesen. Das Geschäft stammt aus der Gründerzeit des Viertels. Berlin wurde damals erweitert. Das Gebiet um den Savignyplatz war ein Neubaugebiet. Straßen, Altbauhäuser und Geschäfte entstanden.

Als Naherholungsfläche kam der Savignyplatz mit Bänken, Wiesen und Blumen dazu. Der Platzname geht auf Friedrich Carl Savigny (1779 – 1881) zurück, einem Politiker und Rechtswissenschaftler.

Er schrieb zum Beispiel das Eigentumsrecht fort und entwickelte das deutsche Genossenschaftsrecht. Mehrere Straßen um den Savignyplatz sind nach Anwälten benannt. Zahlreiche AnwältInnen haben heute hier ihre Kanzleien. Unweit entfernt liegt das Berliner Amtsgericht.

Neben AnwältInnen finden sich in dem Viertel viele ArchitektInnenbüros, kleine Einzelhandelsgeschäfte in den Erdgeschossen der Altbauhäuser und unzählige Gastronomien: Bäckereien, Cafés, Bars, Restaurants, Clubs. TouristInnen schlendern durch die Straßen und sitzen an Tischen vor den Gastronomien.

An einer Haltestelle der Buslinie M49, in der den Savignyplatz durchquerenden Kantstraße, schaukelt der angekommene Bus. Der Busfahrer stützt sein Kinn auf seinen angewinkelten Arm. Der Bus ist überfüllt mit Fans des Fußballvereins Borussia Dortmund. Sie wollen zum Pokalfinale der Vereins gegen Bayern München im Olympiastadion. Die Fans mit den gelben Outfits stimmen Sprechchöre an und bringen normale Fahrgäste zum Aussteigen. Surrend dreht sich die motorisierte Reklame-Uhr neben dem Bus im Kreis. Nach zehn Minuten fährt der Bus ab gen Sportstätte.

Unter den Rosenbögen
Rainer Köpfert bleibt am Savignyplatz. Der etwa 60-Jährige ist obdachlos. Er sitzt unter einem der Rosenbögen, mit Pflanzen überdachte Metallbögen um den Platz. Die weiß gestrichenen Bänke sind sein Schlafplatz. „Das Ordnungsamt kontrolliert streng!“, beschreibt er den Umgang mit obdachlosen Menschen auf dem Platz. In Ruhe schlafen geht nicht. Zum Einen habe es bei dem Regen der vergangenen Wochen dauernd von den nassen Blättern der vielen Bäume am Platz auf die Bänke getropft. Zum Anderen mache ihm eine offene Wunde am Bein zu schaffen.

Eine Operation? Zu teuer für seinen Satz an Sozialhilfe, bedauert er. Mit seiner Sehschwäche kann er die Flyer sozialer Einrichtungen kaum lesen, die eigentlich Menschen wie ihm helfen wollen.

Von dem Rosenbogen nebenan ertönt Klassische Musik. Ein Mann flötet das Stück Ande-sen Opus 33. Er, das ist José Fernando Ramìrez, 26. Schweiß ist auf seinen Händen, als er über seine Musik spricht. Der Absolvent einer Musikhochschule aus Kolumbien übt hier für eine Aufnahmeprüfung eines Masterstudiengangs an der Universität der Künste. Er wünsche sich, danach in Berlin als Musiklehrer oder Musiker zu arbeiten. Er spielt weiter.

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