Gastro-Kolumne von David Eckel: Heiliges Essen

Obstbüfett Bolle's Köche in den Bollee Festsäle ©Oliver Numrich
Obstbüfett Bolle's Köche in den Bollee Festsälen ©Oliver Numrich

Berlin galt lange als kulinarische Wüste – doch das ist schon längst nicht mehr der Fall. Im Gegenteil: Die Bar- und Restaurantszene kann mit anderen internationalen Metropolen mehr als nur mithalten und glänzt dabei mit hoher Qualität zu fairen Preisen. Ganz besonders attraktiv wird Berlin für Feinschmecker während des von Bernhard Moser initiierten Food-Festivals eat!Berlin Köche, Winzer, Brauer, Produzenten und Genießer versammeln sich vom 21. Februar bis 3. März bereits zum neunten Mal. Es locken 70 Veranstaltungen rund um einmalige kulinarische Erlebnisse.

Auch die Orte, an denen das Team seine mitunter von Sternegastronomen zubereiteten Essen serviert, sind einzigartig: Sei es im Berliner Dom zu „Kirche und Genuss“, beim „Genussvollen Kino“ in der Astor Filmlounge oder auf dem EUREF-Campus mit „Kammeiers Eleven“ – die Auswahl an Orten und Themen ist so vielfältig wie spannend.

Bernhard Moser, Festivalleiter des eat!Berlin ©Ricarda Spiegel

Das Festival, das mit rund 400 Gästen startete, hat sich längst zu einem international anerkannten Feinschmecker-Fest entwickelt, das auch internationale Gäste in seinen Bann zieht. Legendär sind die Pressekonferenzen, denn schon wenige Minuten nachdem Festivalleiter Bernhard Moser hier das Programm verkündet hat, sind die ersten Veranstaltungen bereits ausgebucht. In diesem Jahr sind allerdings wegen des stark ausgeweiteten Veranstaltungsangebots sogar noch während des laufenden Festivals einzelne Karten buchbar – ein Vorteil für kurz entschlossene Berliner.

Wie viel die Entwicklung unserer Genusskultur mit der Kirche zu tun hat, erfahren die Teilnehmer in der (leider ausverkauften) eat!Berlin-Veranstaltung im Berliner Dom. Schließlich haben sich heutige Genussmittel wie Wein, Käse oder Bier in enger Verflechtung mit dem Klerus entwickelt. Das ist aktuell an Wein- und Lagerbezeichnungen wie Klosterberg, Prälat, Abtsleite oder Kirchsteig zu beobachten. Auch unter den Brauereien, sei es Andechser oder Weihenstephan, spielen Klöster eine wichtige Rolle.

Wie wichtig gemeinsames Essen auch heute noch ist, bestätigen nicht nur Forscher immer wieder – es soll auch als Zeichen der Wertschätzung wahrgenommen werden. Deshalb haben das Dezernat Seelsorge des Erzbistums Berlin und die Gemeinschaft Sant’Egidio im November vergangenen Jahres zum „Gastmahl der Armen“ eingeladen. Die Gäste aßen direkt in der St. Hedwigs-Kathedrale. Eine große Ausnahme, denn ansonsten gilt: Essen und Trinken sollten in der Kirche tabu sein. Außer bei entsprechenden Anlässen, natürlich.

Ich wünsche guten Appetit – Ihr David Eckel

Bildnachweise: Obstbüfett ©Oliver Numrich | Porträt Bernhard Moser: ©Ricarda Spiegel

Wenn Sie einen Rechtschreibfehler gefunden haben, benachrichtigen Sie uns bitte, indem Sie den Text auswählen und drücken Sie dannStrg + Eingabetaste.

Dieser Inhalt ist nur für registrierte Nutzer sichtbar. Wenn Sie sich bereits registriert haben, melden Sie sich bitte an. Neue Nutzer können sich weiter unten registrieren.

Anmelden