Im Kino: „Eltern“ – Realismus mit Augenzwinkern

Die Berliner Lokalnachrichten baten den Berliner Produzenten Andreas Banz zum Interview. Der gebürtige Berliner ist übrigens selbst stolzer Papa eines Kindes im Vorschulalter.

So ein großes Projekt, noch dazu in Spielfilmlänge, ist ja auch wie ein Baby, sozusagen Ihr Erstgeborenes – Sind Sie ein stolzer Papa? Und: Sind Geschwister schon in Planung?

Eltern ist für unsere Firma der erste Spielfilm im Kino und das ist natürlich ein ganz besonderes, aufregendes Ereignis. Als einer der Eltern-Papas bin ich natürlich stolz, freue mich aber auch, wenn das Baby nun schnell laufen lernt. Im Ernst, ab dem Kinostart hat man als Produzent die Hauptarbeit hinter sich und kann dem Film eigentlich nur noch dabei zuschauen, wie er seinen Weg macht.

„Eltern“ wird kein Einzelkind bleiben. Wir haben zwei interessante Dokumentarfilme, die wahrscheinlich nächstes Jahr ins Kino kommen und weitere Spielfilme in Vorbereitung.

 „Eltern“ scheint schwer in übliche Genrekategorien zu passen. Der Film ist komisch aber keine Komödie, auch kein Drama, am ehesten gleicht er einem Entwicklungsroman … aber nicht fokussiert auf eine Hauptperson … Wie würden Sie ihn einordnen?

Am treffendsten wäre wohl Tragikomödie. Der Film beginnt als leichte Komödie und schlittert dann zunehmend ins Drama, wenn es um’s Eingemachte geht: Das lange erprobte Familienkonstrukt droht zu zerbrechen, wenn plötzlich der Vater nicht mehr nur Supperdaddy sein will sondern auch beruflich wieder auf die Beine kommen. Darum geht es ja im Film: Wie macht man’s richtig?  Wie ist das alles unter einen Hut zu bringen: Kinder, Karriere und eine aufregende Beziehung?

Arbeit mit Kindern – Ist das/Was ist da anders? Speziell?

Das Kindercasting war sehr langwierig. Aber es hat sich gelohnt. Es ist wunderbar, Paraschiva Dragus und Emilia Pieske als Töchter im Film zu beobachten. Und sie sind richtige Schauspieler! Es hat mich sehr beeindruckt, wie konzentriert und professionell die beiden über einen 6-wöchigen Drehzeitraum gearbeitet haben. Das liegt aber natürlich auch an der Arbeitsweise von Robert Thalheim (Anm. der Regisseur), der einen tollen Draht zu den Mädchen gefunden hat und sie mit der nötigen Autorität aber auch viel Respekt geführt hat. Mit Kindern darf man nur ein paar Stunden am Tag drehen, das macht es insgesamt etwas komplizierter bei der Planung, weil sie ja in den meisten Szenen drin sind. Es ist immer ein Elternteil und eine extra Kinderbetreuerin am Set, die sowas wie die Ersatzmama ist und die Kinder auf die Szenen vorbereitet, den Text übt oder einfach in Drehpausen mit ihnen spielt.

Stichwort: Filmstadt Berlin: Am Eröffnungswochenende lief „Eltern“ „nur“ in sechs Kinos – trotz guter Kritiken. Was läuft falsch? (Verleugnet die Filmstadt Berlin ihre Kinder?)

Das liegt daran, dass der Film deutschlandweit in relativ wenigen Kinos gestartet wird. Der Verleiher, der den Film herausbringt, will lieber weniger aber gut gefüllte Kinos haben und dann weitere Kinos bestücken, wenn die Nachfrage steigt. Es werden vermutlich hauptsächlich Großstädter sein, die ihn sich ansehen, und da musste einfach jede Großstadt was abbekommen. Ein paar mehr Kinos in Berlin hätte ich mir aber auch gewünscht.

Zum Film: In “Eltern” (Kundschafter Filmproduktion) scheitern Christiane Paul und Charly Hübner in den erwachsenen Hauptrollen am ganz alltäglichen Wahnsinn, den eine Familie mit zwei Töchtern (10,5) durchmacht, wenn der Elternteil, der zu Hause war, wieder ins Berufsleben einsteigt. Allerdings wirbelt der Film hier schön althergebrachte Geschlechterrollen durcheinander. Denn in “Eltern” ist es der Papa, der daheim war – und jetzt wieder als Theaterregisseur Fuß fassen will –, während die Mama ohne Babypause als Oberärztin das Geld verdient. Ein ungewollt schwangeres Au-Pair-Mädchen aus Argentinien kommt da natürlich auch gerade recht. Realistisches Chaos pur. Eine Familie in der Zerreißprobe.

Mehr Informationen: www.eltern-derfilm.de

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