200 Mio. tote Vögel pro Jahr: So können Katzenhalter helfen

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Laut einer Studie sollen in Deutschland jedes Jahr bis zu 200 Millionen Vögel Hauskatzen zum Opfer fallen. Der Vogelexperte des Naturschutzbunds (NABU), Lars Lachmann, hält diese Zahlen für zu hoch gegriffen. Dennoch begrüßt er die Debatte darüber und gibt Tipps, wie Katzenhalter dafür tun können, dass ihr Tier nicht zum Vogelkiller wird. 

Das Katzen für andere Arten gefährlich werden können, zeigt das Beispiel Neuseeland, wo die Tierwelt keine Landraubtiere kannte, bis sie vom Menschen eingeschleppt wurden –  der sichere Tod für viele flugunfähige Vogelarten. In Deutschland ist die Situation anders, erklärt Lachmann, da es bei hier immer zahlreiche Landraubtiere gab, unter ihnen etwa auch die seltene Europäische Wildkatze: „Flugunfähige Vogelarten gibt es bei uns nicht, und daher werden Katzen bei uns wohl keine Vogelart jemals vollständig ausrotten.“

Katzen können aufgrund ihrer durch menschliche Zufütterung unnatürlich hohen Bestände dem Vogelbestand mancherorts empfindlich schaden. Hier gibt es kein natürliches Räuber-Beute-Gleichgewicht, da Katzen im Zweifelsfall am heimischen Futternapf oder im Abfall von Menschen immer genug zu fressen finden. So seien Vogelbestände im Siedlungsbereich von Menschen mit Katzen in vielen Fällen niedriger als sie ohne Katzen wären:  „In extremen Fällen bei sehr hoher Katzendichte kann es sogar den Anschein haben, als gäbe es fast keine Vögel mehr in den Gärten. Dagegen würde laut Lachmann vor allem ein umfassenden Programmen zur Kastration bzw. Sterilisation aller verwilderten Hauskatzen helfen, kombiniert mit einer entsprechenden Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Hauskatzen mit Freigang. Dies würde dazu führen, dass der Bestand verwilderter Katzen in kurzer Zeit deutlich abnehmen würde, und es gäbe auch keinen „Nachschub“ mehr durch Freigänger, die mit den verwilderten Katzen Nachkommen zeugen: „Kastrierte Katzen zeigen übrigens auch deutlich weniger Jagdfieber“, so Lachmann.

Tipps für Katzenbesitzer

  • Schaffen Sie sich nur dann eine Katze an, wenn Sie über genügend Zeit und Platz verfügen. Spielen Sie öfter mit ihr. Auch so kann sie ihren Jagd- und Spieltrieb ausleben.
  • Das Aussetzen von Katzen ist tierschutzrechtlich verboten. Herrenlose Katzen müssen jagen, um zu überleben. Sie fressen hauptsächlich erbeutete Wildtiere und daher auch häufiger Vögel.
  • Sorgen Sie bei längerer Abwesenheit für eine zuverlässige Betreuung Ihrer Katze. Ist das nicht möglich, können Sie das Tier auch zeitweise in einem Tierheim oder einer Tierpension unterbringen.
  • Lassen Sie sowohl Kater als auch Katzen kastrieren. Sie werden häuslicher und streunen weniger herum. Gleichzeitig vermeiden Sie dadurch Nachschub für verwilderte Katzenpopulationen und Sie müssen sich auch keine Gedanken um den Verbleib des Nachwuchses machen.
  • Denken Sie gerade im Frühling an die Vögel draußen. Dann fällt herrenlosen und streunenden Hauskatzen so mancher Jungvogel zum Opfer. Lassen Sie deshalb vor allem in den Monaten April und Mai Ihre Katze am besten nicht aus dem Haus oder zumindest nicht unbeaufsichtigt ins Freie.
  • Ein Halsband mit einem kleinen Glöckchen macht zwar die Vögel auf die Katze aufmerksam, nützt aber dem noch hilflosen Vogelnachwuchs gar nichts. Außerdem ist das Klingeln eine Tortur für die empfindlichen Katzenohren.

Tipps für Gartenbesitzer

  • Gestalten Sie Ihren Garten naturnah. Stauden, Sträucher und Bäume bieten den Vögeln viele Versteckmöglichkeiten. Auf einem kurz geschorenen Rasen stehen Amsel, Drossel, Fink und Star wie auf dem Präsentierteller und laden Katzen geradezu dazu ein, Beute zu machen. In einem Ökogarten finden natürlich auch andere Wildtiere wie etwa Molche, Frösche, Eidechsen oder Blindschleichen Schutz vor jagenden Katzen.
  • Um Katzen von Nestern in Bäumen fernzuhalten, können Sie den Stämmen etwa fünfzig Zentimeter breite Abwehrmanschetten aus Blech oder Kunststoff anlegen. Oder verwenden Sie Brombeerranken. Das kostet nichts. Verzichten Sie auf Stacheldraht, denn daran könnten sich die Katzen, aber auch andere „Vogelliebhaber“ wie Eichhörnchen oder Marder gefährlich verletzen.
  • Hängen Sie Nistkästen so auf, dass Katzen keinen Zugang haben: an Fassaden oder freihängend an Seitenästen und mindestens zwei Meter über dem Boden. Besonders katzensicher sind Nistkästen mit steilem, glattem Dach, da sie keinen Halt bieten.
  • Futterhäuschen und Vogeltränken mindestens zwei Meter vom nächsten Gebüsch entfernt aufstellen. So können sich Katzen nicht unbemerkt anschleichen.
  • Katzen haben hochsensible Nasen. Wenn sie Gerüche nicht ausstehen können, meiden sie die Duftquellen. Katzenabweisende Streupulver sind im Handel erhältlich. In Mode gekommen ist die sogenannte „Verpiss-dich-Pflanze“. Dieses Gewächs mit dem ordinären Spitznamen, auch bekannt als Harfenstrauch (Plectranthus caninus), gehört zu den Lippenblütlern und ist im Gartenfachhandel zu bekommen. Am besten in der Nähe von Niststandorten einpflanzen. Sie soll Katzen im Umkreis von zwei bis fünf Metern fernhalten. Wir riechen die Pflanze übrigens nicht.
  • Da Hauskatzen bei ihrer Beutesuche größere Gebiete durchstreifen, machen sie natürlich nicht an Gartengrenzen halt. Kommen Sie deshalb mit Ihrem Nachbarn ins Gespräch. Vielleicht besitzt er ja auch eine Katze und ist noch nicht so gut über die Problematik informiert wie Sie. Schutzmaßnahmen Einzelner sind zwar nicht für die Katz, aber nur wenn möglichst zahlreiche Gartenfreunde, ob Katzenhalter oder nicht, den Vögeln helfen, fallen weniger den Hauskatzen zum Opfer.

Mehr Informationen unter www.nabu.de

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