Stress, Lärm, Smog: Macht Berlin krank?

©Fotolia/Maurice Tricatelle
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Dieselfahrverbote werden derzeit in ganz Deutschland und somit auch in Berlin viel diskutiert. Der Smog nehme zu, die Luftverschmutzung stelle eine Gefahr für die Gesundheit dar und überhaupt sei das Leben in der Großstadt ein Risikofaktor für das psychische und physische Wohlbefinden, heißt es immer wieder.

Großstädte machen einsam, gestresst und krank, so lautet zumindest die Überzeugung vieler Brandenburger, die sich lieber für die frische Luft und Ruhe der Natur entschieden haben. Ein „Richtig“ oder „Falsch“ gibt es bei den verschiedenen Lebenskonzepten wohl nicht – oder etwa doch? Was ist dran an den Gerüchten? Macht Berlin seine Bewohner wirklich krank?

Natürlich hängt die Wahl des Wohnortes zu großen Teilen von den individuellen Vorlieben und häufig auch schlichtweg vom Arbeitsplatz ab. Während sich die einen Menschen durch den andauernden Großstadtlärm schnell gestresst fühlen, leben andere darin erst richtig auf und fühlen sich richtig glücklich. Eine pauschale Aussage, ob das Leben in der Großstadt krank macht oder nicht, lässt sich daher nicht allgemeingültig für alle Menschen treffen. Dennoch gibt es immer wieder wissenschaftliche Untersuchungen zur Lebensqualität – und darin schneidet Berlin durchweg gut ab: Laut einer Studie der IESE Business School hat die deutsche Hauptstadt hierzulande die höchste Lebensqualität und belegt im weltweiten Ranking einen hervorragenden elften Platz. Angeführt wird das Ranking übrigens von New York, dicht gefolgt von London und Paris auf den Plätzen zwei und drei.

Multiracial group of friends having a coffee together
Multiracial group of friends having a coffee together. ©Fotolia/ william87

Berlin hat überdurchschnittlichen sozialen Zusammenhalt

Besonders hervorgestochen ist in der Studie vor allem der soziale Zusammenhalt. In dieser Kategorie landete Berlin sogar auf Platz drei im internationalen Ranking. Demnach sei der Wohlstand in Berlin überdurchschnittlich gerecht verteilt, bei derweil unterdurchschnittlicher Kriminalitätsrate. Während viele Menschen also beklagen, das Leben in der Großstadt mache einsam und somit auf Dauer unglücklich sowie krank, scheint das – zumindest in Berlin – nicht der Fall zu sein. Doch wie sieht das bei anderen Faktoren aus, welche sich negativ auf die psychische Gesundheit eines Großstädters auswirken können.

Lärm kann (unterbewussten) Stress auslösen

New York, London, Paris oder Berlin…viele Menschen denken bei solchen Städten nicht an Aufregung, Abenteuer und Freiheit, sondern in erster Linie an Lärm. Eine Menge Lärm. Menschenmassen, U-Bahnen, Stau oder Flugzeuge sind nur einige Lärmpegel, welche in Großstädten nicht selten 55 Dezibel und damit die gesetzlich festgelegten Höchstwerte übersteigen. So liegen in der lautesten Stadt Deutschlands, in Hannover, knapp 70 Prozent des Lärms über 55 Dezibel. Berlin belegt mit 50,9 Prozent „nur“ Rang sechs, ist damit aber immer noch lauter als beispielsweise München, Hamburg oder Stuttgart. Tatsächlich kann dieser ständige Lärm krank machen. Er schädigt nicht nur das Gehör, sondern löst im Körper auch Stress aus sowie mögliche Folgeerkrankungen. Dazu gehören Migräne, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-Darm-Beschwerden, Depressionen, Schlafstörungen, Bluthochdruck und, und, und…

Der Lärm kann also tatsächlich krank machen – muss er aber nicht. Ob und wie sehr ein Mensch unter dem Geräuschpegel leidet, hängt stark von individuellen Faktoren ab. Zudem sollte es natürlich möglich sein, sich dem Lärm zumindest in den eigenen vier Wänden zu entziehen. Wer kann, wählt also einen ruhigeren Stadtteil sowie nicht unbedingt die Wohnung an der Kreuzung zweier Hauptstraßen als Lebensmittelpunkt. Auch regelmäßige Auszeiten wie ein Wellness-Tag in der Sauna oder der Urlaub auf dem Land können dabei helfen, dass sich Körper und Geist von dem Lärm eine Auszeit nehmen und regenerieren.

Man sneeze on street because pollution,Men got nose allergy in the city ©Fotolia/fballgiggs
Man sneeze on street because pollution,Men got nose allergy in the city ©Fotolia/fballgiggs

Wie steht es um die Luftqualität in Berlin?

Doch nicht nur auf die psychische Gesundheit, sondern auch auf den Körper können Großstädte angeblich negativen Einfluss nehmen. Feinstaub, Smog, Luftverschmutzung – die Dieselfahrverbote in Großstädten werden nicht umsonst diskutiert, denn in vielen Metropolen herrscht eine schlechte Luftqualität. Tatsächlich stellen Stickstoffdioxid und Feinstaub ein Dauerproblem in Berlin dar, jedoch nicht in sämtlichen Stadtgebieten. Und Maßnahmen wie der Einbau von Kraftwerksfiltern haben Wirkung gezeigt, sodass Luftschadstoffe in der Hauptstadt im Regelfall nur noch in unbedenklicher Konzentration auftreten – wenn überhaupt. Sollte in absehbarer Zeit eine Lösung für das Feinstaubproblem gefunden werden, gilt die Berliner Luft gemeinhin als unbedenklich, selbst beim Sport im Freien.

Im Gegenteil: Experten empfehlen auch in Berlin explizit den Sport im Freien, denn die positiven Effekte auf den Körper durch die Bewegung seien deutlich größer als die negativen durch die Luftverschmutzung. Zudem können und sollten Berliner in ihren eigenen vier Wänden auf eine gute Luftqualität achten. Schließlich halten sie sich hier die meiste Zeit auf. Luftbefeuchter beziehungsweise -entfeuchter sowie Zimmerpflanzen sind nur einige von vielen Möglichkeiten für eine gute Lufthygiene in Innenräumen und machen für die Gesundheit somit einen großen Unterschied.

Fazit: Macht Berlin krank?

Das Fazit ist eindeutig: Nein! Zwar mag die Großstadt gewiss nicht für jeden Menschen geeignet sein, doch macht Berlin definitiv nicht prinzipiell all seine Bewohner krank. Die deutsche Hauptstadt bietet stattdessen hochwertiges Trinkwasser, eine exzellente medizinische Versorgung, soziale Gerechtigkeit und eine hohe Lebensqualität in den Bereichen Freizeit, Kultur & Co. Wer zudem auf eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Sport, einer gesunden Ernährung und einer Reduktion von Lärm sowie Luftverschmutzung in seinen Wohnräumen achtet, kann in einer Großstadt genauso gesund und lange leben wie auf dem Land auch.

Schlussendlich bleibt es also einfach eine Frage des individuellen Geschmacks, wo ein Mensch sich am wohlsten fühlt und somit seinen Lebensmittelpunkt haben möchte. Die einen leben eben lieber auf dem Land und machen an den Wochenenden hin und wieder einen Abstecher in die Großstadt. Die anderen fühlen sich im lebendigen Berlin glücklicher und entspannen an freien Tagen in der ruhigen Natur – sei es im Park um die Ecke oder an der Ostsee.

 

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