Mehr U-Bahn für Berlin?

Der Traum von U-Bahn-Verlängerung

Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey will die U7 bis zum BER ausbauen. Der Traum von U-Bahn-Verlängerungen kommt Berlins Politik oft zu Wahlkampfzeiten.

Endlich mal eine Positiv-Schlagzeile zum BER, könnte man denken. Denn eigentlich wäre eine U-Bahn-Anbindung des noch immer in Bau befindlichen Pannen-Flughafens eine gute Sache. Nach jetzigen Planungen ist der BER nämlich viel schlechter ans ÖPNV-Netz angebunden als viele andere große deutsche Airports. „Der Hauptstadtflughafen braucht auch eine Hauptstadtanbindung. … Berlin baut eine U-Bahn zum Hauptbahnhof, warum nicht auch zum Hauptstadtflughafen?“, wirbt Franziska Giffey (SPD) für ihre Forderung. Neuköllns Bezirksbürgermeisterin will, dass ihr Anliegen ins Wahlprogramm der Berliner SPD für die Abgeordnetenwahl 2016 aufgenommen wird.

Doch selbst wenn das geschieht und die SPD gewählt wird, bleibt eine U7-Verlängerung höchstwahrscheinlich ein weiterer Berliner U-Bahn-Traum. Ebenso wie der kürzlich aus Reihen des Noch-Koalitionspartners CDU aufgetauchte Ruf nach einer U8-Verlängerung bis ins Märkische Viertel.

U-Bahn-Bau ist nämlich viel teurer als Straßenbahn-Bau. Und Berlin hat es bekanntlich finanziell nicht dicke. Dass neue unterirdische Bauprojekte im ÖPNV wenig realistisch sind, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. So scheiterten sowohl die U-Bahn-Wünsche von Politikern als auch der BVG am Nein aus dem Senat. Nur zur Erinnerung: Im Gespräch waren zuletzt Verlängerungen der U1 und U9, sowie der „Dauerbrenner“ – eine U-Bahn nach Weißensee. Die U1 sollte nach Wunsch der BVG um eine Station verlängert werden, von der Warschauer Straße bis zum Ostkreuz, die U9 von der Osloer Straße im Wedding bis zur U2-Endstation in Pankow. Das würde den Boom-Bezirk schneller an den Westen anbinden. Aber wie gesagt, das sind alles Wünsche. Der zuständige Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) hatte zuletzt mehrfach betont, der Fokus liege jetzt auf realisierbaren Projekten. Damit meint Geisel ganz klar den Ausbau des Straßenbahnnetzes. Für Weißensee bringt diese Variante wenig. Der Stadtteil ist zwar durch die M4 jetzt schon direkt an die City-Ost (Alexanderplatz) angebunden. Die Tram ist zu Stoßzeiten aber heillos überfüllt. Eine U-Bahn nach Weißensee wird es aber trotzdem bis auf Weiteres keine geben. Obwohl es für einen derartigen Ausbau sogar schon Vorarbeiten gab. Allerdings ist das lange her. Die ersten Pläne für eine U-Bahn nach Weißensee stammen aus dem Jahr 1955. Im sogenannten 200-Kilometer-Plan (U-Bahn-Ausbau Ost-Berlin) heißt sie „Linie F“. In einer überarbeiteten Fassung dieses Plans aus 1972 wird die nie realisierte Strecke als „Linie 10“ geführt. Geplante Linienführung anno dazumal: von Weißensee über den Alexanderplatz weiter zum Potsdamer Platz. 1993 wurden diese Pläne aber zuletzt (endgültig) verworfen.

Die einzigen neuen U-Bahn-Kilometer bleiben also bis auf Weiteres jene der U5 zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz. Das Teilstück, dessen Bau von Problemen mit dem Grundwasser überschattet wird, ist nur 2,2 Kilometer lang. Voraussichtliche Kosten: 525 Millionen Euro. Eine Summe, die eindrucksvoll zeigt, wie realistisch weitere U-Bahn-Pläne derzeit sind.

Artikelfoto: Wenn es nach den Plänen von Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey geht, fährt die Berliner U-Bahn bald bis zum BER |   Foto: davis – Fotolia)

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