Mit dem Mietwagen durch den Westen der USA – ein Reisebericht

Den Westen der USA zu bereisen, davon Träumen viele. Nirgends liegt Schönheit in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen so dicht beieinander wie hier.

Die Küste bietet unberührte Stränden an denen man Seeelefanten, Pelikane und Wale beobachten kann. Die kleinen Küstenstädte wie Santa Barbara und Carmel bieten Spaßkultur und Luxus, Baden und Surfen an Traumstränden unter Palmen mit den Reichen und Schönen. Außerdem locken die Großstädte L.A. mit Hollywood, Beverly Hills und Malibu im Süden und San Francisco mit der berühmten Golden Gate Bridge, dem Hippie-Charme und den malerischen viktorianischen Häuschen im Norden.

Landeinwärts folgen auf die goldenen Weinberge und fruchtbare Ebenen voller Zitrushaine die Westhänge der Sierra Nevada, mit ihren tosenden Wasserfällen, und einsamen Bergseen, den monumentalen Mammutbäumen und bizarren Granitfelsen – geschützten Naturwundern, Dank der vorausschauenden Schaffung der Nationalparks. Überwindet man die teils schneebedeckten Gipfel der Sierra, kann man noch am selben Tag die Wüste bis zum heißesten Punkt der Erde durchqueren. Mitten in der Wüste lockt das glamouröse Spielerparadies Las Vegas und von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung zum Grand Canyon, dem wohl beeindruckensten Naturwunder der USA.

Kalifornien, Arizona, Nevada – das klingt nach Sehnsucht, nach gehaltenen Versprechen, aber auch nach geplatzten Träumen. Unzählige Romane, Songs und Filme sorgen dafür, dass alljährlich zig tausende deutsche Touristen ins Land der Träume und der unbegrenzten Möglichkeiten aufbrechen. Die USA gelten als autofreundlichstes Land der Welt. Reisen mit dem Mietwagen ist hier einfach und sicher, alles ist erschlossen. Die Gastgeber sind herzlich, geschwätzig und freundlich. Unzählige kleine Motels entlang der Highways garantieren auch spontan stets problemlos Unterkunft und doch umweht den Trip ein Hauch von Abenteuer. Wir haben es gewagt und waren begeistert. Dieser Reisebericht, gespickt mit paar hilfreichen Tipps, soll Mut machen, die Koffer zu packen für ein einmaliges Urlaubserlebnis.

Skyline von Las Vegas
Der Las Vegas Strip aus der Luft

Viva Las Vegas
Als Start- und Endpunkt unserer Reise haben wir Las Vegas gewählt. Die Flüge von Berlin sind weitaus günstiger, als die nach L.A. oder San Francisco und auch die Mietwagen und Hotelpreise sind unschlagbar. Die blinkenden Neonreklamen und riesigen Casinos der Glitzermetropole mögen nicht jedermanns Sache sein, aber der Strip verkörpert auf besondere Weise den „American Way of Life“ und man kann sich seiner Faszination schwer entziehen. Tag und Nacht posieren Touristen aus aller Welt mit Elvis-Imitatoren unter dem verheißungsvollen „Welcome to fabulous Las Vegas“-Sign.

Auch die aufwendigen Wasserspiele vorm Bellagio zu bestaunen ist ein absolutes Muss. Doch nicht nur die glamour- und spielwütige Jugend kommt in Vegas auf ihre Kosten. Gerade in den letzten Jahren wurde gesteigert Wert auf Familien- und Kinderfreundlichkeit gelegt, zum Beispiel im Planet Hollywood oder dem New York, New York mit seiner Achterbahn.

Wir haben uns für einen Aufenthalt im Stratosphere entschieden, einem der älteren Hotels, das heute etwas abseits vom Schuss liegt, und es nicht bereut. Die Aussicht vom Stratosphere Tower mit dem höchsten Vergnügungspark der Welt ist atemberaubend. Wer Luxus dem Nervenkitzel vorzieht, kann den Blick auch von dem rotierenden Restaurant oder der Bar aus, bei einem Cocktail genießen. Die Zimmer sind geräumig, modern und sauber und auch die Poollandschaft im 8. Stockwerk, mit grandioser Aussicht auf den Strip, half uns bei der Akklimatisierung und der Überwindung des Jetlacks. An den Spielautomaten im Eingangsbereich des Hotels zockten stets hollywoodreife Gestalten und auch wir versenkten den ein oder anderen Dollar in den Slotmachines. Unser Tipp: Meiden Sie Vegas an den Wochenenden. Die Übernachtungspreise verdreifachen sich und die Stadt ist hoffnungslos überfüllt.

Yosemite-Park-Valley-El Capitan
Blick aufs Yosemite Valley, mit den Granitmonolithen El Capitan, links im Vordergrund, und dem Half Dome, mittig im Hintergrund

Die Nationalparks – Wunder der Natur
Wer dem Rummel in Las Vegas nichts abgewinnen kann, dem sei es dennoch als Basisstation für Tagesausflüge in die nahe gelegenen Nationalparks empfohlen, ins Valley of Fire, den Zion Nationalpark oder dem Grand Canyon, der zum Beispiel bequem in einem einstündigen Helikopterflug zu erreichen ist – ein unvergesslicher und erhebender Anblick aus der Luft, den wir nie vergessen werden.

Mit genug Wasser und Sprit versorgt, brachen wir dann Richtung Westen zum Death Valley, dem Tal des Todes, dem heißesten und tiefstgelegenen Ort der Erde auf. Am Eingang aller Nationalparks wird man mit ausgezeichnetem Karten- und Infomaterial versorgt. Übrigens lohnt sich ab dem Besuch von drei Parks die Anschaffung eines Nationalparkpasses. Die in der Hitze schillernden Salzseen, Dünen und Geröllfelder könnten sich ebenso gut auf dem Mars befinden und nach kurzen aber leindrucksvollen Erkundungstouren zu Fuß waren wir erschöpft und erleichtert, wieder ins klimatisierte Auto steigen zu können.

Kaum vorstellbar, dass die Pioniere die Strapazen der Durchquerung der Mojave Wüste mit ihren Planwagen auf sich nahmen, um das gelobte Goldgräberland Kalifornien zu erreichen und noch unfassbarer, dass die Ureinwohner hier einst siedelten und überlebten. Weiter gen Westen, vorbei an Joshua Bäumen und schroffen Granitmonolithen, ereichten wir die Ausläufer der Sierra Nevada und den Yosemite Nationalpark. Unvergesslich der Anblick der Jahrtausende alten Mammutbäume, der Giant Sequoias, die nur auf den westlichen Hängen der Sierra in Hainen wachsen, die zu schattigen Wanderungen einladen.

Und nur eine weitere Autostunde entfernt öffnet sich der Blick ins Yosemite Tal, gesäumt von den Wahrzeichen des Parks, den Granitgletschern Half Dome und El Capitan. Hier ist man freilich nicht allein. Drei Millionen Besucher zieht es jährlich zu diesem Aussichtspunkt. Die Lodges und Campingplätze sind entsprechend überfüllt und teuer. Uns zog es ohnehin weiter an die Küste, ins 300 km entferne San Francisco.

San Francisco - Der Blick auf die Golden Gate Bridge im Sonnenuntergang lohnt den Aufstieg auf den Telegraph Hill
San Francisco – Der Blick auf die Golden Gate Bridge im Sonnenuntergang lohnt den Aufstieg auf den Telegraph Hill

San Francisco – mit oder ohne Blumen im Haar
Besucher schwärmen zu Recht von der Stadt des Goldrauschs, der Hippiebewegung und der Beat-Poeten, von den Cable Cars, der Golden Gate Bridge, der Gefängnisinsel Alcatraz und der einzigartigen Atmosphäre in den Straßen dieses Schmelztiegels verschiedenster Kulturen.

Tourismus ist der größte Wirtschaftszweig San Franciscos, das über mehr als 33.000 Hotelzimmer verfügt. Eines davon sollte man sich rechtzeitig reservieren, inklusive Parkplatz, denn die Stadt quillt über. Es lohnt sich, für das Hotelzimmer ein paar mehr Dollar anzulegen und zum Beispiel in einem der alterwürdigen Jugendstil Hotels wie dem Intercontinental Mark Hopkins Quartier zu beziehen.

Die Lage auf dem Nob Hill ist strategisch günstig und der Blick aus dem Zimmer auf die Stadt und die Golden Gate Bridge in der Ferne ist sagenhaft. Genießen kann man diese Aussicht auch bei einem Drink im Top of the Mark, der Bar im 19. Stock des Hotels.

Sparen kann man an anderer Stelle, zum Beispiel durch den Erwerb des CityPass. Er bietet Touristen neben uneingeschränkter Nutzung der Cable Cars eine unbedingt lohnenswerte Bootsfahrt zur Golden Gate Bridge, vorbei an den sich auf den Docks sonnenden Seelöwen und der berühmten Gefängnisinsel Alcatraz, und den Eintritt in die wichtigsten Museen der Stadt. Für San Francisco sollte man sich mindestens drei Tage Zeit nehmen.

Spazieren Sie durch China Town, Little Italy, Haight-Ashbury und Fisherman’s Wharf und genießen Sie die stimulierende Atmosphäre der pulsierenden Metropole. Generell gilt: bergauf fahren, bergab laufen. Die nötige Kondition zur Eroberung der hügeligen Stadt sollte man nicht unterschätzen.

Der Aufstieg zum Telegraph Hill lohnt allerdings die Mühe, besonders zum Sonnenuntergang. Den Eintritt für den kleinen dort befindlichen Aussichtsturm kann man sich aber getrost sparen. Der Blick vom Parkplatz ist freier und schöner. Überbewertet und recht unspektakulär ist hingegen die überfüllte „krümmste“ Straße der Welt, die Lombard Street.

Und Achtung, auch die Fahrt über die Golden Gate Bridge kann zur Touristenfalle werden. Hier wird eine Maut fällig, die man binnen 24 Stunden nur elektronisch entrichten kann. Nutzen Sie die Gelegenheit, das vom Internethotspot Ihres Hotels aus zu tun, die nachträglichen Strafgebühren bei der Abgabe des Mietwagens können einem sonst das Vergnügen nachträglich verleiden.

Für Reisende, die generell unterwegs gern erreichbar und mobil sind, empfehlen wir sich am besten aus Deutschland bereits mit einer Telefonkarte für Internet und Telefonie zu versorgen, das kostet zwar etwas mehr, erspart aber jede Menge Stress und Zeit vor Ort, das Angebot an Karten und Anbietern in den USA ist riesig und die Tarife sehr unübersichtlich. Wir haben uns mit einem Package von Holiday Phone ausgerüstet und waren damit sehr zufrieden. Das Mobile Internet erweist sich auch bei der Suche und Buchung von Motels entlang des Weges als nützlich, da man hier oft erheblich sparen kann.

Nebelschwaden lichten sich und geben den Blick auf die Traumstrände entlang des Highway #1 frei
Nebelschwaden lichten sich und geben den Blick auf die Traumstrände entlang des Highway Number 1 frei

Der Highway # 1, die Traumstraße
Der legendäre Highway No. 1 windet sich entlang der Pazifikküste. Die Fahrt beginnt spektakulär mit der Überquerung der Golden Gate Bridge.

Vor uns liegen 750 km steile Küste bis Los Angeles. Faszinierende Landschaften, tosende Wellen, enge Kurven und vor uns, hinter uns und uns entgegenkommend Cabrio an touristenbesetztem Cabrio. Alle paar Meter ein Aussichtspunkt – Fotostop. Man ist nicht allein auf diesem wild romantischen Reiseabschnitt, aber wen kümmert das?

Wer Ruhe sucht, wandert zu einem der Wasserfälle oder zu den altehrwürdigen Redwoods, den höchsten Bäumen der Welt, und vergisst die Zivilisation. Die hat allerdings auch ihren Reiz. Entlang des Highways reihen sich die Luxusanwesen, kühn auf Felsvorsprünge gebaut, wie auf eine Perlenschnur.

Wir halten in Santa Cruz, der Surf City mit dem Vergnügungspark am Strand, und essen Corn Dogs, und in Monterey, dem ehemaligen Fischereihafen, dem John Steinbeck in seinen Büchern ein Denkmal gesetzt hat. Noch immer ein malerisches Örtchen, doch heute ebenso touristisch überlaufen. Es wird luxuriöser, wir passieren Big Sur und Hearst Castle. Günstiger werden auch die rar gesäten Unterkünfte nicht.

Auch auf die weiter im Inland gelegene Interstate 5 auszuweichen nützt nichts. Selbst im Moloch Bakersfield rufen die an Mall Strips gelegenen lauten und schmutzigen Ketten-Motels unverschämte Preise auf. Wir beschließen weiterzufahren. In Santa Barbara, das als teuerste Stadt der USA gilt, finden wir am östlichen Ende der Promenade tatsächlich ein bezahlbares Motel 6 mit Blick auf den Strand und nur 15 Gehminuten von der Flaniermeile, der State Street, entfernt, wo sich ausgezeichnet dinieren, shoppen und feiern lässt.

Der letzte Abschnitt des Highways, den wir am nächsten Morgen befahren, führt uns, vorbei an den Strandvillen der Prominenz Malibus, in die Stadt der Engel.

L.A. Santa Monica Pier
Los Angeles: Blick auf den Strand von Santa Monica mit dem Vergnügungspark auf dem Pier

L.A. – Sommer, Sonne, Strand und Stars
Die ausufernde Mega-City Los Angeles macht es Touristen nicht leicht. Auf fast 86.000 Quadratkilometern erstreckt sich die 14-Millionen-Einwohner-Metropole. Verkehrsinfarkt und weit verstreute Sehenswürdigkeiten machen die Erkundung der Stadt zur Herkulesaufgabe und zu Fuß unmöglich.

Neben Glanz und Luxus entdeckt man allerorts auch Armut und Elend, vor allem in Downtown, in den letzten verbliebenen Straßenzügen der historischen Altstadt. Einen Eindruck idealisierten mexikanischen Lebens und Treibens kann man rund um die Olvera Street gewinnen, die sich am nordöstlichen Ende von Downtown erstreckt.Hier steht das älteste Haus von Los Angeles, das 1818 von spanischen Missionaren erbaut wurde und heute für Touristen zugänglich ist.

Fliegende Händler, mexikanische Restaurants und Souvenirshops haben sich in der malerischen Missions-Kulisse angesiedelt. Ein Besuch lohnt sich, immerhin bilden die Latinos die größte Bevölkerungsgruppe von Los Angeles, fast die Hälfte der Angelinos spricht Spanisch. Wer es realistischer mag, sollte einen Spaziergang auf dem Broadway zwischen der 3rd und der 8th Street unternehmen. Hier glaubt man sich in Mexiko City. Es geht laut und temperamentvoll zu.

Hollywood hingegen versprüht einen eher verschlafenen gestrigen Charme und wirkt selbst wie eine Filmkulisse. Nur der Hollywood Boulevard mit seinem Walk of Fame, den in den Gehweg eingelassenen Sternen der großen Stars, ist Tag und Nacht von Touristen bevölkert. Auch der Rodeo Drive ist nicht von einkaufswütigen Stars, sondern von Busladungen Touristen bevölkert. Einen Hauch von Glamour und Luxus spürt aber, wer eine Spazierfahrt durchs Nobelviertel Bel Air unternimmt, vorbei an den meist hermetisch abgeriegelten und schwer einzusehenden pompösen Villen.

Auch Venice Beach mit seinen Bodybuildern, Ganoven und schrägen Lebenskünstlern ist bizarr und absolut sehenswert. Wohl fühlten wir uns vor allem in Santa Monica, dass mit Bürgersteigen und Straßencafés beinahe europäisch wirkt und nach einem anstrengenden Sightseeing Tag wie eine Oase der Ruhe. Hier fanden wir auch Herberge in einem bezaubernden Motel am Strand, dem privat geführten Seaview Motel. Dankbar ließen wir unsere Reise mit einem herrlichen Strandtag in Baywatch-Kulisse mit Blick auf das Santa Monica Pier ausklingen.

Adressen und Informationen:
Las Vegas:
www.vegas.com

Stratosphere:
www.stratospherehotel.com

San Francisco:
http://www.sfgov.org

Mark Hopkins:
www.intercontinentalmarkhopkins.com

Los Angeles:
http://lacity.org

Seaview Motel:
www.seaviewhotel.com

Nationalparks USA:
www.nps.gov

Praktische Helfer für unterwegs
Mobiles Internet:
www.holidayphone.de

City Pass:
http://de.citypass.com

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