Die Geschichte Berliner Häuser: Potsdamer Straße 58

Potsdamer strasse 58

Es beherbergt mit dem „40seconds“ einen der exklusivsten Clubs in Berlin und wurde schon von Pop- und Rockstars wie Jennifer Lopez oder Marilyn Manson besucht. Was viele nicht wissen: Das Gebäude an der Potsdamer Straße 58, auf dessen Dachterrasse die Stars heute eine Zigarre nebst passendem Getränk genießen, war früher der Firmensitz des Tabakwarenkonzerns „Loeser & Wolff“.

Der Architekt Albert Biebendt errichtete das Art-Déco-Gebäude zwischen 1928 und 1930. Ursprünglich sollte die „Loeser-Burg“, wie sie im Volksmund genannt wurde, das erste Hochhaus Berlins werden – zu diesem Zweck wurde es als Stahlskelettbau konzipiert. Doch wegen der Wirtschaftskrise fiel das Gebäude rund 30 Meter niedriger aus als geplant. Das auf der anderen Seite des Landwehrkanals gelegene Shell-Haus von Emil Fahrenkamp, dem Lehrer Biebendts, überragte es.

Zigarrenfabrik Loeser & Wolff
Bernhard Loeser und Carl Wolff gründeten die Firma „Loeser & Wolff“ 1865 in der Alexanderstraße 3 in Berlin. Die erste Fabrik stand in Elbing, heute Elblag in Polen. Eine zweite eröffnete Bernhard Loeser 1885 im ostpreußischen Braunsberg, heute Braniewo, ebenfalls in Polen. Weitere Fabriken eröffneten 1911 in Marienburg, heute Malbork, und Preußisch Stargard, heute Starograd Gdanskí. Bemerkenswert ist, dass die Zigarrenfabriken durch die hohe Zahl an Arbeitsplätze für Frauen auch zur Gleichberechtigung der Geschlechter beitrugen.

Nach der anfänglichen Blütezeit litt die Firma in zunehmendem Maße unter den Bedingungen der folgenden Jahrzehnte. Während des ersten Weltkriegs wurde sie zwangsverwaltet; Anfang der 1920er Jahre hatte sie stark unter der Wirtschaftskrise zu leiden. 1937 wurde das Unternehmen, das ursprünglich jüdischer Herkunft war, arisiert. Nach dem zweiten Weltkrieg war es nicht mehr zu retten: Die Fabrik in Elbing gab es ab 1952 nicht mehr; die anderen trennte der eiserne Vorhang vom Berliner Hauptsitz.

Kulturforum und Aufbau
Das Gebäude selbst behielt aber eine wichtige Funktion in Berlin: 1964 zogen die Architekten Hans Sharoun und Edgar Wisniewski in die beiden oberen Stockwerke ein. Sie hatten den Wettbewerb um den Bau des Berliner Kulturforums gewonnen und konnten die Baustelle von dort aus gut überblicken.

2002 bekam die Immobilien-Holding Polis AG die Erlaubnis, das Haus zusammen mit der Beos Projektentwicklung umzubauen. Die Aufstockung um zwei gläserne Geschosse, die zusammen mit der Sanierung 22,5 Millionen Euro kostete, vollendete Biebendts ursprünglichen Plan 72 Jahre später. Die Lichter des 40seconds sind sogar vom Kulturforum aus zu sehen und binden so die Potsdamer Straße an das Geschehen jenseits der Brücke an. So wurde dieses alte, ursprünglich nicht ausgeführte Projekt doch noch zu einem erfolgreichen Ende gebracht.

(Artikelfoto: Potsdamer Straße 58 – Schöneberger Ufer 47/ Foto: By Aflomar (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons)

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