Hunde-K(r)ampf in Berlin oder: wieso die Schlacht vom Schlachtensee überall ist

Hundeverbot in Berlin

Eigentlich geht es im gutbürgerlichen Steglitz ja beschaulich zu. Eigentlich. Wäre da nicht die Sache mit dem Schlachtensee und den Hunden.

Um die Uferzone des saubersten Sees Berlins tobt seit Monaten ein Kampf. Die Kontrahenten: Hundebesitzer und Menschen ohne Tier.

Rein formal haben die Zweibeiner ohne Vierbeiner den Streit gewonnen. Seit zwei Wochen gilt ein Hundeverbot in den meisten Uferabschnitten des Schlachtensees. Doch ganz real sieht die Sache anders aus. Mit dem Verbot goss die Politik Öl ins Feuer. Die Fronten sind verhärtet wie nie. Statt sachlicher Diskussion gibt’s jetzt mühsamen Kleinkrieg.

Ausgetragen wird dieser einerseits direkt am Ort des Anstoßes. Hundehalter, die seit ehedem ihre Tassos und Fifis am See spazieren führen, pfeifen auf das Verbot. Spaziergänger und Jogger mutieren zu teils schimpfwütigen Ufer-Sheriffs, die ihr nun amtlich verbrieftes Recht auf eigene Faust durchsetzen wollen.

Also Streit statt Erholung. Und dieser könnte noch lange dauern. Denn sowohl die Initiative „Hunde am Schlachtensee“ als auch ein Anwohner und Anwalt ziehen jetzt den juristischen Joker: Sie wollen die Sache vor Gericht bringen.

Ihr Argument: Das Hundeverbot sei rechtswidrig, weil man bei der räumlichen Festlegung getrickst habe. Man könne den Uferweg nicht einfach zur Badezone erklären, um ein Verbot durchzusetzen. Die politisch Verantwortlichen im Bezirk sehen das natürlich anders: alles rechtmäßig. Allerdings: Das Ordnungsamt hält sich seltsamerweise noch mit Knöllchen zurück. Das bedauert auch besagter Anwalt, der regelmäßig mit seinem Hund das Ufer entlangflaniert – und zwar mit dem Ziel eine Strafe zu kassieren. Diese würde er dann nämlich vor Gericht anfechten.

Für alle, die es nicht fassen, nochmal in Kurzfassung: Es tobt ein Streit über ein Verbot, das nicht exekutiert wird und vielleicht rechtswidrig erlassen wurde. Ein weiteres Beispiel für die „klassische Berliner Lösung“?! (Wobei Dobrindt kann das ja auch auf Bundesebene – siehe Maut).

Die Schlacht vom Schlachtensee mag viele nur am Rande tangieren. Doch die wahre Problematik betrifft uns alle. Es geht um die Frage, wem die Stadt gehört. Und darum, wie wir damit klar kommen, dass wir uns im öffentlichen Raum mit anderen arrangieren müssen.

Berlin boomt. Jährlich kommen 45.000 Neo-Berliner hinzu. Wenn da nicht jeder ein wenig Rücksicht auf die anderen nimmt, wird die Stadt zur generellen Kampfzone. Diese Verrohung im Umgang miteinander ist nicht nur an den Ufern des Schlachtensees sichtbar. Auch im Straßenverkehr erleben wir seit Jahren, dass es irgendwie immer rauer wird. Strengere Regeln oder höhere Strafen scheinen aber wenig zu bringen.

Vielleicht einfach mal wieder miteinander reden, statt sofort rumschreien oder pöbeln? Oder auch mal ganz einfach nett sein und ein Auge zudrücken? Das würde sowohl die Straßen als auch das Ufer weitaus erholsamer machen, ganz ohne Verbot.

Übrigens, nur falls es jemand vergessen haben sollte: Die Aktivisten, die jetzt dank ihrer Hunde-Initiative am Schlachtensee große Öffentlichkeit erfahren, stehen nicht für alle Hundebesitzer. Die meisten von davon sind genauso nett oder dämlich wie Menschen ohne tierischen Begleiter. Nur: Auffallen tun halt immer die, die laut schreien. Das gilt natürlich analog für Jogger und Spaziergänger. Nur ein Bruchteil davon plärrt schon frühmorgens Hundebesitzer an.

Ja, klar, die Medien haben auch einen Anteil an dem Bild, das da gezeichnet wird. Deshalb machen die „Berliner Lokalnachrichten“ das jetzt mal ganz anders.

Ich erzähle Ihnen, werte Leser, noch eine nette Begnung zwischen Mensch ohne Hund und Hundebesitzerin. Der Mensch ohne Hund war ich, im Fahrstuhl. Die Hundebesitzerin ein Mädchen, geschätzt zwischen 13 und 15 Jahre alt. An der Leine ein mittelgroßer Hund. Sie steigt ein, ich zucke zurück – nicht wegen des Hundes, sondern weil ich in Gedanken war. Sie, ganz höflich und freundlich: „Stört es Sie, wenn wir mitfahren? Wir können auch den nächsten abwarten, wenn Sie Angst haben oder vielleicht eine Allergie?“ Ich: „Nein, alles in Ordnung. Das ist aber nett, dass Sie fragen!“ Sie: „Aber das ist doch selbstverständlich.“

(Artikelfoto: photo 5000 / www.fotolia.com)

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