Kotti

Kotti - Kottbusser Tor Berlin

Die Uhr schlägt Freitagnacht und die U8 spuckt mich, zusammen mit vielen Wegbier und Mateflaschen haltenden Schwärmern, hinaus auf deine harten Pflaster.

Eine Kolumne von www.beta2version.de

Vorher, die erste Treppe hoch, singt ein Mann für unsichtbare Sichtbare, die Augen geschlossen und seine Klampfe fest im Arm haltend. In deinem Spinnennetz innehaltend, welchen Ausgang ich heute wähle, zieht deine kalte Luft bis hier nach unten in dein Dickicht aus wirren Gesprächsfetzen. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, wähle ich meinen Weg und betrete das nasse Pflaster, nicht um noch vorher einen weiten Bogen um Undefinierbares zu schlagen.

Die letzte Stufe nehmend, rollt mir eine vergessene Bierflasche entgegen und die restliche Flüssigkeit sucht sich ihren Weg ein paar Stufen tiefer, um dort von den Schuhen anderer Schwärmer und vom Steinboden verschluckt zu werden.

Lackierte Nägel, rote Lippen und suchende Blicke warten vor dem Kaisers und in ihren Blicken wähne ich Hoffnungen und Sehnsüchte der kommenden Nacht. Konfetti vor dem Fotoautomat verrät mir, dass schon für einige Wegbiere die Nacht begonnen hat und ekstatisches Lachen der Schwärmer lässt bereits jetzt ihren Kater des nächsten Morgen erahnen. Das Hupen ungeduldiger Autofahrer lässt vermuten, dass deine Ampeln tatsächlich nur Deko sind, neben deinen Baulöchern, in denen sich die Spuren vergangener Nächte stetig sammeln.

Eine lallende Stimme verschafft sich Gehör und ich drücke meine Stopptaste: „Wo kann man hier cool weggehen?“ Ich schmunzle und rattere meinen Anwortkatalog für deine Pflaster herunter und erhalte glückliche Gesichter und die Aufforderung, einen Schluck aus einer jener Mateflaschen zu nehmen, deren Flüssigkeit sich schon zu Schaum verwandelt hat. Ich verneine lachend und erhalte die Einladung, zu späterer Stunde mitzufeiern, mit dem Wissen, dass mein Gesicht binnen weniger Sekunden nur noch eine Ahnung sein wird. Vorbei am Lieblingsdöner, vor dem deine Schwärmer Bierflaschen wie Kegel balancieren, die von mir im Slalom umgangen und Sekunden später von faltigen Gesichtern mit übervollen Rollis aufgesammelt werden, suche ich mir meinen Weg in eine deiner Nebenstraßen. Ich freue mich über deine Unermüdlichkeit, deine Pflaster für jeden Einzelnen von uns mit Hoffnungen zu füllen.

Ich betrete eine deiner Fluchten, lüfte meine Kapuze und erhalte Küsse und Umarmungen, drehe mich ein letztes Mal um und bin gespannt, ob die lackierten Nägel und roten Lippen von vorhin sich auf meinem Heimweg schluchzend in einer deiner Ecken verstecken werden oder ob ihre Hände und Lippen ihren Weg in deine anderen Schwärmer gefunden haben.

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(Artikelfoto: © beta2version)

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