Lass‘ mal übers Wetter reden…

wetter 2015

Lass‘ mal übers Wetter reden – Oder: Die unglaublichen Abenteuer eines Berliner Meteorologen

Der Vorschlag übers Wetter zu reden gilt ja gemeinhin als nicht ganz so höfliche Umschreibung für „Haste nüscht‘ Besseres zu sagen?“. In Wirklichkeit reden aber alle irgendwie ständig übers Wetter.

Weil uns der Winter nämlich gewaltig nervt. Zwar ist es nicht besonders kalt, aber dafür grau, grauer – grausig. Hochnebel und Wolken wechseln einander ab. Sonnenschein hingegen hatte in den vergangenen Wochen in Berlin Seltenheitswert. Das dürfte leider so bleiben. Die Prognosen für die kommenden 14 Tage sind aus heutiger Sicht nämlich ähnlich trübe. Es wird demnach oft wolkig oder hochnebelig. Statt Schnee gibt‘s Regen, so lesen es Meteorologen aus den Vorhersagekarten.

Richard Löwenherz (34) ist einer von ihnen. Seit drei Jahren arbeitet der Tempelhofer für einen der größten privaten deutschen Wetterdienste mit Sitz in Berlin. Davor hat er – wie er selbst sagt – lange studiert. Mit ein Grund, warum es so lange gedauert hat, ist die Lieblings-Freizeitbeschäftigung von Richard Löwenherz. Der Berliner wurde nicht nur nach dem sagenumwobenen englischen König benannt, er ist auch mindestens so abenteuerlich unterwegs.

Allerdings nicht auf dem Rücken eines Pferdes, sondern eines Drahtesels. Dieser hat ihn zuletzt für zwei Monate quer durch Sibirien getragen. 2000 Kilometer, zu Winterbeginn. Trotz nächtlicher Temperaturen von minus 20 Grad Celsius schlief Richard Löwenherz im Zelt. Wieso man so was macht? So ganz genau erklären kann der Wetterforscher und „Extremreisende“ das nicht. Sicherlich, es gehe auch ein wenig um die intensiven Erfahrungen, nicht nur mental: „Es ist erstaunlich, wie anpassungsfähig der menschliche Körper ist“, so Löwenherz.

Dass er genau weiß, was er tut, merkt man im Gespräch mit ihm trotzdem. Er hat eine Menge Erfahrungen gesammelt, tourt er doch schon seit seinem sechzehnten Lebensjahr mit dem Rad durch die Lande. „Begonnen hat alles mit kleinen Ausfahrten mit Freunden, in die Umgebung“, erinnert sich der 34-Jährige an die ersten, kurzen Reisen mit dem Rad.

Dieses ist seit damals dasselbe geblieben: ein 18 Kilogramm schweres Mountainbike. Gekauft, mit 14 um damals 600 Mark. Damals trug „Berserker“ – so hat Löwenherz das Rad getauft – ihn ins brandenburgische Umland und zur Ostsee. Nach dem Abi 1999 erweiterte sich der Reiseradius gewaltig: Einer dreimonatigen Fahrt um die Ostsee (7000 km) folgten mehrere Reisen nach Skandinavien und Sibirien, dann verschlug es Löwenherz in die Mongolei, danach nach Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan. „Insgesamt war ich 110.000 Kilometer mit Berserker unterwegs“, so der 34-Jährige nicht ohne Stolz. Richard Löwenherz scheint zu gefallen, was andere als Strafe empfinden würden (wie etwa Radfahren bei minus 20 Grad). Das liegt womöglich an seiner geerdeten, positiven Lebenseinstellung. Diese hilft auch gegen den Berliner Winterblues. Wer sich also inspirieren lassen möchte: Löwenherz veröffentlicht viele Fotos und Berichte von seinen Reisen auf seiner Homepage. Außerdem hält er auch Vorträge darüber.   Lisa Steiner

Weitere Informationen: www.lonelytraveller.de

(Artikelfoto: In Schweden auf der gefrorenen Ostsee • Foto: © R.Löwenherz)

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