Müllers Neue Senatoren

Neue Berlin Senatoren

Mit dem neuen Bürgermeister Michael Müller ziehen auch zwei neue Senatoren in die Stadtregierung ein: Für Finanzen wird künftig Matthias Kollatz-Ahnen zustänig sein. Er ist 57 und kommt aus dem Bankgeschäft. Um Stadtentwicklung – zuvor Müllers eigenes Ressort – soll sich Andreas Geisel kümmern. Der 48-Jährige ist seit 2011 Bezirksbürgermeister von Lichtenberg und gilt als enger Vertrauter Müllers. Was von den Neuen zu erwarten ist? Die Berliner Lokalnachrichten mit einer Analyse.

Ein waschechter Ost-Berliner und ein Hesse also. Auf den ersten Blick mögen die Neuen im Kabinett von Michael Müller nicht viel gemein haben – außer, dass sie in Berlin bislang kaum einer kennt (es sei denn, in Geisels Fall, die Lichtenberger). Der kleinste gemeinsame Nenner, der sich für den Physiker, Volkswirt und Ingenieur Kollatz-Ahnen und den Vollblut-Politiker Andreas Geisel finden lässt, ist deren SPD-Mitgliedschaft. Wichtiger aber scheint, dass beide pragmatische Sachpolitiker sind. Geisel hat das in seiner Zeit als Lichtenbergs erster Mann vielfach bewiesen. Kollatz-Ahnen ebenso – er war Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank – eine Position die beharrlich-sachlichen Umgang mit verschiedensten Interessensgruppen erfordert.

Dass der designierte Bürgermeister Michael Müller die Finanzen in die Hände eines Nicht-Berliners legt, begründete er selbst damit, dass jemand von außen die nötige Distanz habe. Ein nicht von der Hand zu weisendes Argument. Denn es wäre wünschenswert, wenn unser Steuergeld künftig nach sachlichen Kriterien an die verschiedenen Ressorts vergeben würde. Eine Monsterschnitte des Berliner Finanztörtchens wird der neue Finanzsenator wohl dem zweiten Neuen zuteilen müssen. Denn Andreas Geisel hat, so erfahren er auch sein mag, eine wahre Mammutaufgabe übernommen. Kaum ein Ressort hat so viele Baustellen zu beackern wie seines – Stadtentwicklung.

Das heißt mehr als nur bezahlbare Wohnungen bauen. Das heißt auch: dafür sorgen, dass unser Berlin lebenswert bleibt. In Lichtenberg hat Geisel eindrucksvoll gezeigt, dass er diesbezüglich was auf dem Kasten hat. Er hat den einstigen Stasi- und Neo-Nazi-Stadtteil zum Vorzeigebezirk gemacht. Eines seiner wichtigsten Instrumente dabei war das „Bündins für Wohnen“, das Geisel 2012 mit einer breiten Palette an Investoren schloss – und mit dem er es tatsächlich schaffte, den Bau bezahlbaren Wohnraums in Lichtenberg zu pushen. Außerdem forcierte er Betriebsansiedlungen und drückte die Arbeitslosigkeit auf den tiefsten Stand seit Jahren (im Sommer 2014 unter 10 Prozent).

Allerdings: Berlin ist 17 Mal so groß wie Lichtenberg und weit vielschichtiger als der Bezirk im Osten. Außerdem ist zu erwarten beziehungweise zu befürchten, dass Geisel auf Stadtebene mit einer anderen Größenordnung von „Widerstand“ zurecht kommen wird müssen, als in seinem Heimat-Kiez. Denn jeder Bezirksbürgermeister, das muss gerade Geisel bewusst sein, will das in seinen Augen Beste – für das jeweilige Hoheitsgebiet.

Mit diesem Faktum wird auch Matthias Kollatz-Ahnen konfrontiert sein. Was der neue Bürgermeister Müller als großen Vorteil des neuen Finanzsenators nannte, könnte diesem auch zum Nachteil gereichen. Dass Kollatz-Ahnen nicht aus Berlin ist, heißt nicht nur, dass er den Blick von außen hat. Es heißt vor allem auch: Er kennt die ungeschriebenen Spielregeln der Politik in unserer Stadt und auch seine Mitspieler am Pokertisch der Stadtfinanzen noch nicht.

(Text: Lisa Steiner – Artikelfoto: V.l.n.r. Andreas Geisel, Michael Müller und Matthias Kollatz-Ahnen – Fotomontage: © S.Gütte)

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