Olympia in Berlin – solln wa oder solln wa nich?

Olympia Berlin

Das offizielle Berlin hat sich schon entschieden. Allen voran Noch-Bürgermeister Klaus Wowereit. Man will 2024 oder 2028 Olympische Spiele in unserer Stadt ausrichten. Die letzte Entscheidung liegt aber bei uns Bürgern. Denn eine Volksabstimmung wurde versprochen.

Für oder gegen Olympische Sommerspiele in der eigenen Stadt sein? Diese auf den ersten Blick für viele leicht zu beantwortende Frage hat‘s ganz schön in sich. Mal eben so gefragt, entscheidet bei vielen von uns einfach das Bauchgefühl. Doch für das Kreuzchen auf dem Stimmzettel sollte vielleicht mehr zählen, als Argumente wie „Ich mag die geile Stimmung, die Olympia in die Stadt bringt“ oder „Man sieht ja schon beim BER, dass Berlin nix Großes kann“. Beides mag stimmen – aber greift dann irgendwie doch zu kurz.

Der wohl wesentlichste Faktor, wenn es um Olympia in Berlin geht, sind die Kosten. Klar ist derzeit nur: Olympische Spiele sind teuer. Wie teuer genau, das kann oder will momentan noch keiner sagen. Auch Klaus Wowereit, der sich ja nach seiner Zeit als Regierender Bürgermeister um die Olympia-Bewerbung kümmern wird. Seine Schätzung zuletzt im Senat: eine ungewisse „Milliardenhöhe“.

Was die Spiele Berlin kosten (würden), hängt natürlich auch ganz stark davon ab, wie man sie anlegt. Derzeit ist die Rede von „Nachhaltigkeit“. Heißt: Vorhandene Sportstätten nutzen, statt teure Neubauten. Aber um so manchen Neubau oder vielleicht sogar im Endeffekt teurere Sanierungen wird man nicht herumkommen.

Ein Olympisches Dorf – wo 10.500 Sportler samt Anhang unterkommen sollen – wird jedenfalls auch nicht zu gering zu Buche schlagen. Nur zur Einordnung: Die Spiele kosten Berlin schon Geld, ehe überhaupt klar ist, ob man sich offiziell für Deutschland bewerben darf (Hamburg ist ja auch noch im Rennen). Allein das Interessenbekundungsverfahren verschlang 100.000 Euro. Eine Bewerbung für die Spiele 2024 oder 2028 würde laut Schätzungen 50 bis 60 Millionen Euro kosten. Natürlich braucht man für ein Mega-Ereignis immer enorme Summen Geld. Ein international angesehenes Sportevent bringt dem Austragungsort aber auch Einiges.

Erstens – Stichwort „Umwegrentabilität“ – spült eine Veranstaltung, bei der die ganze Welt auf Berlin schaut, auch wieder Geld in die Stadt.

Und zwar mehr, als nur das jener Touristen, die gezielt wegen Olympia anreisen. Wieviel (Geld) dieser „Olympia-Nebeneffekt“ tatsächlich in die Stadt spülen würde, lässt sich aber vorab genauso wenig seriös beziffern wie die tatsächlichen Kosten möglicher Spiele.

Womit wir bei Punkt zwei wären: Dem deutschen Sport würden Olympische Spiele in Berlin vermutlich Einiges bringen. Neben möglicher neuer Sportstätten vor allem mehr Geld. Schließlich ist anzunehmen, dass Deutschland bei einer Heimveranstaltung auch gern einige Goldmedaillen holen will.

Das würde zur von Unterstützern oft beschworenen „Magie der Spiele“ natürlich noch ein Scherflein beitragen.

Denn auch als Olympia-Kritiker muss man ganz offen zugeben: Die Stimmung, die ein sportliches Großereignis in eine Stadt bringt, kann einzigartig sein. Das hat zuletzt die Fußball-Heim-WM gezeigt, geben sich Olympia-Befürworter argumentationsstark. Aber mal ehrlich: Kugelstoßen, Synchronschwimmen und Judo sind den meisten irgendwie doch nicht ganz so wichtig wie Fußball. Oder sind Sie schon mal mit den Kumpels extra zum Synchronschwimm-Highlight in die Kneipe gegangen?

Zwar ist Fußball auch eine Disziplin bei den Olympischen Sommerspielen. Aber eben nicht so wichtig und zugkräftig wie bei einer EM oder gar WM. Was uns auf ein weiteres Problem bei einer Kandidatur Berlins für Olympia 2024 bringt: Im selben Jahr soll schon die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland stattfinden. Die Vergabe gilt als reine Formsache. Das widerum macht einen Zuschlag für Olympische Spiele 2024 sehr unwahrscheinlich. Die mächtigen internationalen Sport-Organisationen dürften keine Lust haben, einander gegenseitig die Schau zu stehlen.

Wenn also schon Olympische Spiele in Berlin, dann bitte später. Vielleicht 2028, so sich die Mehrheit der Berliner doch für die Magie der Ringe begeistern kann. Aus Sicht der Lokalnachrichten-Autorin könnte man sich aber gern noch länger Zeit lassen – und das Geld derweil in Infrastruktur investieren, die nicht nur dem Sport oder Touristen nützt.

( Text : Lisa Steiner – Artikelfoto: Berliner Olympiastadion  Foto: © visitBerlin/ Wolfgang Scholvien)

 

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