„Shared“ euch doch zum Teufel

sharing

„Sharing“ ist das neue Zauberwort. Alles wird scheinbar geteilt. Autos, Wohnungen, Bohrmaschinen … bis hin zu mehr oder weniger sinnvollen Äußerungen auf Facebook. Teilen ist trendy, teilen ist geil … doch, halt! Wer teilt hier eigentlich was mit wem?

Ein Kommentar von Lisa Steiner!

Nehmen wir zum Beispiel das Carsharing in Berlin. Dass es boomt, lässt sich unter anderem daran erkennen, dass sogar die Politik reagiert hat und es vielerorts bereits reservierte Parkplätze gibt, die man nur mit Carsharing-Autos benutzen darf (ergo: Parkverbot für alle anderen). Mit einem normalen Mietauto darf man dort also nicht parken. Bei genauer Betrachtung ist so ein Carsharing-Auto – egal von welchem Anbieter – aber auch ein Mietauto.

Schließlich haben sich hier nicht zwei Kumpels, die nebeneinander wohnen, eine Karre gemeinsam gekauft, um sie zu teilen. Sondern alle Carsharing-Kfz sind im Besitz des jeweiligen Anbieters – also mächtiger Automarken oder Transportkonzerne. Wenn wir eines davon nutzen, dann teilen wir es uns zwar mit anderen Nutzern. Aber hauptsächlich treten wir als Kurzzeit-Mieter in Erscheinung. Ähnlich wie bei einem Hotelzimmer. Da sagt ja auch keiner Zimmersharing – obwohl das Prinzip dasselbe ist: Ein Anbieter (Hotelbesitzer, Carsharing-Betreiber) vermietet seine Ressourcen in kurzen Abständen an verschiedene Kunden (Mieter, heute auch gerne Sharing-Kunden genannt … haha).

Wir als Mieter füllen damit die Kassen der Betreiber, die das Carsharing weder aus Umweltschutzgründen noch aus Altruismus anbieten, sondern ganz einfach weil sie Geld verdienen wollen. Als Surplus fällt dann auch noch ein positiver Imagegewinn ab. Man ist ja cool und nachhaltig und shared die Autos. Angeblich statt sich eines zu kaufen. Aber diese Argumentation hinkt. Viele der so genannten Carsharer haben sich nicht GEGEN ein eigenes Auto entschieden. Sie hatten vor dem Angebot auch keines. Nutzten vielleicht mehr das Fahrrad oder BVG und S-Bahn.

Ähnliches gilt für halb-legales Wohnungs-/Zimmersharing wie es übers Internet angeboten wird. Auch hier ist eigentlich kein wahrer Teil-Gedanke erkennbar. Auch hier liegt in Wirklichkeit ganz einfach ein meist sehr kurzes Mietverhältnis vor. Trotzdem hypen Experten und so genannte Qualitätsmedien (von der Times abwärts) Sharing als neues Wirtschaftsmodell. Und enttarnen sich damit selbst. Wirtschaft heißt heute nämlich eigentlich immer: Einige wenige verdienen was, die anderen zahlen drauf. Das könnte man allerdings mit einer tollen Sharing-Idee beheben: Gewinn-Sharing. Wer ganz furchtbar reich ist, darf das gerne teilen! (Jaja, zugegebener Maßen ist die Idee schon alt und wurde von berühmten Denkern gegen die Menschenausbeutung in der Phase der Industrialisierung erdacht).

Anmerkung: Die Autorin hat nichts gegen die Carsharing-Angebote in Berlin – nur gegen den Etikettenschwindel namens Sharing.

(Artikelfoto: Pixabay/ OPenClips / http://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de)

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