Wutbuerger des Monats: „Mr. Murks“

Stefan Schridde - Wutbuerger - Mr Murks
Stefan Schridde

„Mr. Murks“ – Stefan Schridde (52) mag es nicht, wenn Dinge kaputt gehen. Noch viel weniger mag er es, wenn Dinge „absichtlich“ kaputt gehen. Wobei die Absicht oft – Dank des Berliner Aktivisten bewiesenermaßen – beim Hersteller liegt. Mr. Murks ist unser Wutbuerger des Monats Januar.

Man nehme zum Beispiel einen Küchenmixer, der vorzeitig das Zeitliche segnet, weil wichtige Zahnräder im Inneren aus Plastik statt Metall sind. Das kostet. Einen neuen Mixer. Und zwar viel zu früh. Schridde macht das nicht nur zornig, sondern er hat in den letzten beiden Jahren auch einiges unternommen, um solchen und ähnlichen Murks öffentlich anzuprangern –  mit Erfolg.

Deshalb ist der streitbare Berliner unser erster „Wutbuerger des Monats“. Die neue Rubrik der „Berliner Lokalnachrichten“ stellt monatlich Berliner vor, die ihre Wut auf Politik, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Zustände bzw. Unsitten in produktiven Widerstand umsetzen. Den Anfang macht „Mr. Murks“ – Stefan Schridde – aus Weißensee.

Seine Initiative gegen die „geplante Obsoleszenz“ (von lat. obsolescere‚ sich abnutzen, alt werden, aus der Mode kommen, an Ansehen, an Wert verlieren[1]) bezeichnet, dass ein Produkt auf natürliche oder künstlich beeinflusste Art veraltet ist oder altert. Von geplanter Obsoleszenz spricht man, wenn die Lebensdauer von Produkten von Seiten der Hersteller absichtlich reduziert wird, indem schon während des Herstellungsprozesses bewusst Schwachstellen in das betreffende Produkt eingebaut, Lösungen mit absehbarer Haltbarkeit und/oder Rohstoffe von minderer Qualität eingesetzt werden, die dazu führen, dass das Produkt schneller schad- oder fehlerhaft wird und nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden kann. (Quelle: Wikipedia),wie der zweifache Vater selbst den

Murks genannt wissen will, steuert er über die Webseite „murks-nein-danke.de“. Mittels Vernetzung übers Internet ist es Schridde nicht nur gelungen, viele der Wegwerfgesellschaft ebenfalls kritisch gegenüber stehende Mitstreiter zu finden. Mittlerweile gilt die Initiative auch dem Umweltministerium, dem Bildungsministerium, der Stiftung Warentest und der Verbraucherzentrale als wertvoller Partner mit Expertise.

Doch das war nicht immer so: „Ganz am Anfang hatte ich auch eine AG gegründet, die ist dann aber gescheitert“, so Schridde. Mit dafür verantwortlich: die Weigerung des Wutbürgers sich vom sperrigen Namen „geplante Obsoleszenz“. Der Begriff spielt nach wie vor eine tragende Rolle, doch dass er nicht so breitenwirksam ist wie „Murks“ hat Schridde mittlerweile eingesehen.

Die Gründung seiner Initiative ist einer schlaflosen Nacht im Februar 2012 geschuldet. „Da hab‘ ich um drei Uhr Früh zufällig die Doku ‚Kaufen für die Müllhalde‘ im TV gesehen“, erinnert sich der Murksbekämpfer. Dass vieles schief läuft, wusste Schridde natürlich schon zuvor. Aber die Fernsehbilder brannten sich dermaßen ins Gehirn des Berliners ein, dass er wusste: „Ich muss was tun. Und zwar jetzt.“ Seine erste Idee: eine Petition an den Bundestag, mit dem Ziel „die geplante Obsoleszenz zu beenden“. Das Ziel ist immer noch dasselbe. Aber zwei Jahre später stehen die Chancen weit besser, dass die Politik Schritte in diese Richtung setzen wird – auch über Berlins und Deutschlands Grenzen hinweg.

In Österreich beispielsweise widmete die größte Tageszeitung Schridde eine Doppelseite, auch die offiziellen Konsumentenschutzorganisationen des Nachbarlandes wollen „Murks-nein-danke“ als Partner. Damit nicht genug, plant Schridde auch noch ein „Murkseum“, also ein Museum, in dem Murks-Produkte zur Schau bzw. an den Pranger gestellt werden. Räumlichkeiten dafür sind noch keine gefunden. Das leerstehende „Kulturhaus Peter Edel“ in Weißensee will der Bezirk – wie bereits berichtet – dafür nicht zur Verfügung stellen. Mit der Begründung, Schridde könne die (teils strengen Auflagen unterliegende) Generalsanierung nicht finanzieren. Was der Aktivist nicht glaubt.

So bemüht er sich neben Crowdfunding (Spendensammeln im Internet) auch um etwas ungewöhnlichere Geldquellen. Bei der Pro7-Show „Millionärswahl“ (die Zuseher entscheiden, wer eine Million Euro bekommt) schaffte Schridde es mit seiner Idee immerhin in die Online-Endausscheidung.

Privat bringt den „Wutbuerger des Monats“ eigentlich nichts so leicht auf die Palme. Außer, wenn etwas zu langsam geht. „Ja, ich bin etwas ungeduldig“, gibt der 52-Jährige lachend zu. Schriddes Triebfeder ist allerdings nach eigner Definition ein „gemeinwohlorientierter Gerechtigkeitssinn“. Vielleicht weil (oder obwohl) er mit sechs Geschwistern aufwuchs. Das habe ihn geprägt, sagt er. Auch in der Art und Weise, wie er als Wutbürger agiert: „Nicht der Weg ist das Ziel. Die Wegbegleiter sind das Ziel.“

Mehr Infos für potentielle Wegbegleiter auf: www.murks-nein-danke.de

*Ein Wutbuerger setzt seinen Unmut auf Politik, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Zustände bzw. Unsitten in produktiven Widerstand um!

Kennen Sie  vielleicht auch einen Wutbuerger oder eine Wutbuergerin, über deren Engagement die „Berliner Lokalnachrichten“ berichten sollten? Schreiben Sie uns an: Wutbuerger@berliner-lokalnachrichten.de

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