Berliner weniger überschuldet – laut SchuldnerAtlas Berlin 2017

Der SchuldnerAtlas Berlin 2017 zeigt, dass sich die Überschuldungssituation der privaten Verbraucher in Berlin  in den letzten zwölf Monaten weiter leicht entspannt hat. Aufgrund des Bevölkerungswachstums verringerte sich die sogenannte Überschuldungsquote, die die Zahl der überschuldeten Personen zur Bevölkerungszahl (ab 18 Jahre) ins Verhältnis setzt, von 12,74 Prozent (2016) auf aktuell 12,63 Prozent (- 0,11 Prozentpunkte).

Das war der vierte Rückgang in Folge. Die Überschuldungsquote liegt aber nach wie vor über dem deutsch-landweiten Wert (10,04 Prozent; 2016: 10,06 Prozent).
Zum Stichtag 1. Oktober 2017 waren insgesamt 373.875 erwachsene Berliner überschuldet (2016: 373.221). Somit nahm die Zahl der Überschuldungsfälle leicht zu (+ 0,2 Prozent). Der Anstieg war geringer als im Bundesdurch-schnitt (+ 0,9 Prozent). Der Creditreform SchuldnerAtlas definiert private Über-schuldung als einen Zustand, in dem die Ausgaben und Zahlungsverpflichtungen einer Person dauerhaft höher sind als deren Einnahmen. Hierfür sind u. a. juristische Sachverhalte – wie ein Antrag auf Restschuldbefreiung – oder auch unstrittige Inkasso-Fälle ausschlaggebend.

1_Schuldneratlas_2017_Brandenburg_PLZ_300dpi (1)Weniger harte Überschuldungsfälle
Ursächlich für die positive Entwicklung der Schuldnerquote in Berlin – wie auch bundesweit – war das Bevölkerungs-wachstum, insbesondere der Zuzug aus dem Ausland. Die gute Arbeitsmarktlage in der Bundeshauptstadt hat zudem dazu geführt, dass Arbeitslosigkeit und Einkommensarmut als Hauptauslöser von Überschuldungsprozessen an Be-deutung verloren haben. Das machte sich in Berlin vor al-lem in einem Rückgang der „hart“ überschuldeten Perso-nen bemerkbar (juristische Sachverhalte). Die Zahl der Betroffenen sank um 0,1 Prozent auf 231.524 Fälle. Gleichzeitig wurden aber mehr Überschuldungsfälle mit geringer Überschuldungsintensität festgestellt (+ 0,7 Pro-zent auf 142.351 Fälle). Durch Umschuldungen sowie die Aufnahme einer Beschäftigung und tendenziell gestiegene Einkommen, konnten ehemals stark überschuldete Perso-nen ihre Verschuldung abbauen.

Entspannung in Lichtenberg
Vier der zwölf Berliner Stadtbezirke verzeichneten ein Anstieg der Verbraucherüberschuldung (Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf, Neukölln und Spandau). Am deutlichs-ten erhöhte sich die Schuldnerquote dabei in Reinickendorf (+ 0,09 Prozentpunkte auf 14,20 Prozent). Ein deutlicher Rückgang der Schuldnerquote war hingegen in Lichtenberg festzustellen (- 0,31 Prozentpunkte; 12,01 Prozent), gefolgt von Berlin-Mitte (- 0,21 Prozentpunkte; 14,87 Pro-zent) und Treptow-Köpenick (- 0,20 Prozentpunkte; 11,15 Prozent).

Steglitz-Zehlendorf hat niedrigste Schuldnerquote
Trotz der leicht gestiegenen Schuldnerquote ist Steglitz-Zehlendorf Positivspitzenreiter unter den Berliner Stadtbe-zirken mit einer Schuldnerquote von lediglich 8,32 Prozent (2016: 8,26 Prozent). Auf dem zweiten Rang steht Pan-kow. In diesem Stadtbezirk sind 10,22 Prozent der Er-wachsenen überschuldet, also rund jeder zehnte Einwoh-ner (2016: 10,28 Prozent). Ebenfalls eine rückläufige Schuldnerquote gab es in Treptow-Köpenick (2017: 11,15 Prozent; 2016: 11,35 Prozent), das damit den dritten Platz einnimmt. Schlusslicht der Verbraucherüberschuldung im Jahr 2017 ist Spandau. 15,92 Prozent der Erwachsenen sind hier als überschuldet anzusehen – eine Quote, die deutlich über dem Berliner Durchschnitt liegt. Vergleichs-weise stark überschuldet sind die Einwohner auch in Mar-zahn-Hellersdorf (Schuldnerquote: 15,57 Prozent) und Neukölln (15,38 Prozent).

Überschuldung bei den Männern geht zurück
Der Rückgang der Schuldnerquote in Berlin ist auf eine Verbesserung der Überschuldungssituation der Männer zurückzuführen. So liegt die Schuldnerquote für Männer aktuell bei 16,40 Prozent und ist damit geringer als im Vor-jahr, als noch 16,62 Prozent betroffen waren. Demgegen-über erhöhte sich die Überschuldungsquote der Frauen in den letzten zwölf Monaten von 8,78 auf 8,84 Prozent. Al-lerdings weisen Frauen auch in Berlin eine deutlich geringere Schuldnerbetroffenheit auf als Männer. Verglichen mit den bundesweiten Zahlen (Männer: 12,59 Prozent; Frau-en: 7,61 Prozent) sind die Schuldnerquoten bei beiden Geschlechtern in Berlin höher.

Altersüberschuldung über dem Bundesdurchschnitt
Überschuldung betrifft in Berlin vorrangig mittlere Alters-gruppen. So ist in der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen jeder Sechste (16,67 Prozent) als überschuldet anzuse-hen. Überdurchschnittlich hoch ist die Schuldnerquote bei den Berlinern auch im Alter von 50 bis 59 Jahren (15,41 Prozent). Die Schuldnerquote der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen liegt etwas niedriger und beträgt 14,64 Pro-zent – bei einer starken Streuung zwischen den Berliner Stadtbezirken (22,71 Prozent in Marzahn-Hellersdorf; 9,03 Prozent in Steglitz-Zehlendorf).
Knapp vier Prozent der Senioren ab 70 Jahre (3,97 Pro-zent) gelten in Berlin als überschuldet. Verglichen mit dem Bundesgebiet (1,50 Prozent) ist das ein überdurchschnitt-lich hoher Wert. Zudem erhöhte sich die Schuldnerquote gegenüber dem Vorjahr (3,74 Prozent). Überschuldete Personen im fortgeschrittenen Alter dürften ihre Schulden kaum mehr abbauen können, da die Einkommenserwar-tungen eher zurückgehen. Jüngere Berliner unter 30 Jahre (2017: 6,79 Prozent; 2016: 7,01 Prozent) verzeichnen rückläufige Schuldnerquoten. Im Gegensatz zum Bundes-gebiet ist diese Altersgruppe zudem weniger stark von Überschuldung betroffen.

 

(Artikelfoto: Schuldneratlas 2017 Berlin , Fotos:©microm&boniversum) 

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