Das Kinderkrankenhaus Weißensee – nur mehr eine Ruine

Kinderkrankenhaus Weissensee

Das ehemalige Kinderkrankenhaus in Weißensee verfällt. Das ist leider nichts Neues.

In wenigen Wochen wird die Stadt einen Versuch starten, das Areal zurückzubekommen – von jenen russischen Investoren, an die man es nach der Schließung 1996 verscherbelt hat. Diese hatten versprochen, ein Krebsforschungszentrum zu errichten. Geschehen ist nichts.

Wie der Liegenschaftsfonds der Stadt gegenüber den Berliner Lokalnachrichten bestätigt, wird das Kinderkrankenhaus Weißensee an der Hansastraße 178/180 Ende Oktober zur Gerichtssache. Das Landgericht Berlin soll entscheiden, ob die Stadt das riesige Areal und die Gebäude (bzw. Ruinen) darauf, von der „MWZ Bio Resonanz GmbH“ zurück bekommt.

Das sind jene russischen Investoren, denen man das ehemalige Spital nach der Schließung verkauft hat. Sie hatten ein Konzept vorgelegt, wonach spätestens 2015 ein wissenschaftliches Zentrum für Krebsforschung die alten Gebäude wieder mit Leben erfüllen sollte. Geplant war sowohl Klinikbetrieb, als auch ein Therapiezentrum und auch ein Konferenzzentrum für Ärzte.

Jetzt, wenige Monate vor dem Jahreswechsel und rund zehn Jahre nach dem russischen Käufer-Versprechen, sieht alles noch genauso aus (oder noch schlimmer) wie zum Zeitpunkt des Verkaufs. Sprich: Das einst stattliche Vorzeigekrankenhaus ist eine traurige, heruntergekommene Ansammlung von Ruinen. Halb abgedeckte Dächer, Einsturzgefahr in fast allen Räumen, Graffiti-beschmierte Wände innen und außen und Hinterlassenschaften temporärer „Bewohner“ (Obdachlose nutzen das Gebäude gern als Schlafplatz).

Anrainer munkeln, dass nicht nur die Russen dran schuld seien, dass hier nichts geschehen ist. Angeblich soll es in der Pharma-Lobby starken Gegenwind gegen das Krebszentrum gegeben haben. Wegen der alternativen Therapieformen, die man hier anwenden wollte. Aber das sind wie gesagt Gerüchte, die sich nicht belegen lassen. Ebenso wenig, wie die sich aufdrängende Vermutung, dass man die Investoren das Areal lieber ohne die alten Gebäude teurer verkaufen möchte … und deshalb einfach wartet, bis alles zu kaputt für eine Renovierung (mit strengen Denkmalschutzauflagen) ist. Belegen lässt sich hingegen, dass das Anfang des 20. Jahrhunderts als Vorzeigekrankenhaus geltende Baujuwel Anfang des 21. Jahrhunderts wieder ein Fall zum Vorzeigen ist. Allerdings ganz anders als vor 100 Jahren, nämlich als negatives Bespiel für die Politik der Stadt.

Was 1910 auch über die Grenzen Berlins hinaus mit Lob bedacht wurde, ruft nun ungläubiges Kopfschütteln hervor.

Einst war das vom Architekten Carl James Bühring geplante Krankenhausareal eines der modernsten Säuglingskrankenhäuser Europas. Neben Krankenstationen verfügte man sogar über einen eigenen Kuhstall und eine Molkerei – um die Kinder mit frischer, gesunder Nahrung zu versorgen. Auch ein kleines Heizwerk, eine Wagenremise und sogar einen Isolierpavillion gab es. Alles umgeben von einer riesigen (1,5 Hektar) Parkanlage. Jetzt gibt es von den Gebäuden nur traurige Überreste. Und was anno dazumal ein Prachtpark war, ist eine verwilderte Ansammlung unansehnlichen Staudendschungels.

Alles in allem wieder ein (Vorzeige!?)-Beispiel, wie die Stadt Berlin wertvolle, denkmalgeschützte Bauten aus akuter Geldnot und mit offensichtlich schlecht abgesicherten Verträgen an winidige Investoren verscherbelt. Bleibt zu hoffen, dass man es zumindest jetzt irgendwie schafft, das Areal vor Gericht zurückzubekommen. Das versucht man leider schon seit längerem, weil die Käufer ihren angeblich vertraglich festgeschriebenen Verpflichtungen (Erhalt, Neubau des Krebszentrums) nicht nachgekommen sind.

Um eben jene Versäumnisse wird es vor Gericht gehen – und darum, ob die Stadt mit ihrem Rücktritt vom Vertrag durchkommt. Das scheint nur möglich, sofern dieser nicht tatsächlich so viele Schlupflöcher enthält, wie Insider munkeln. Denn dann sitzen die jetzigen Besitzer am längeren Hebel. Und können gemütlich warten, bis die Gebäude so kaputt sind, dass man sie nur noch abreißen kann. Dann ist das Areal eine Goldgrube. Stichwort: Teurer Weiterverkauf, Gewinnmaximierung, vermutlich (Luxus?-)Wohnungsbau.

(Artikelfoto: Kinderkrankenhaus Weissensee – © Lisa Steiner)

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