Neue Radwege für Berlin

Autofahrer, Radfahrer, Busse, Straßenbahn sowie Lkw und immer mehr Lieferwagen der zahllosen kleinen Gewerbetreibenden – sie alle wollen möglichst schnell von A nach B. Mit neuen Radwegen und Fahrradstraßen soll nun nach und nach das Durcheinander auf den Lebensadern der Stadt geordnet und zudem für alle Verkehrsteilnehmer sicherer werden.

Deshalb sollen künftig hochwertige Radwege angelegt werden. Ein Blick über den Tellerrand in die Niederlande und auch nach Dänemark zeigt, dass es möglich ist. Dort ist sicheres Radfahren bereits selbstverständlich, unabhängig von Alter und körperlicher Verfassung.

Im vergangenen Jahr sind auf Berlins Straßen 16 Radfahrer ums Leben gekommen, 600 Schwer- und 5000 Leichtverletzte hat es gegeben. Unter den Todesopfern sind besonders viele ältere Menschen. Einer der Hauptgründe für die vielen Fahrradunfälle ist das Rechtsabbiegen von Lkw. Neue Radwege müssten daher breiter sein und an Einmündung so gestaltet sein, dass sie für Rad-, Auto- und Lkw-Fahrer übersichtlich und sicher sind. Ebenso muss es eine deutlich erkennbare Abgrenzung zu den Gehwegen geben. Konflikte zwischen Radfahrenden und Fußgängern könnten dann der Vergangenheit angehören. Busspuren, auf denen auch Taxis und Fahrräder fahren, sind nur eine temporäre Notlösung. Radler möchten keine schweren Busse im Nacken haben, und Busfahrer müssen ihre Fahrpläne einhalten. Deshalb gibt es von Seiten des ADFC die Forderung mit der BVG, Rad- und Busspuren zu trennen und beiden Verkehrsarten einen eigenen Bereich einzuräumen. In ruhigen Tempo-30-Zonen braucht man natürlich keine Radwege. An bestimmten Hauptstraßen genügen auch einfache Radfahrstreifen, zum Beispiel, wenn dort kein Schwerlastverkehr fährt. Die neuen Radwege sollten zudem nicht zulasten der Fußgänger gehen. Das ist im Berliner Radverkehrsgesetz (RadG) eindeutig geregelt. Wenn es nicht anders geht, müssten dennoch   Fahr- oder Parkspur wegfallen. Ein erster Versuch an der Frankfurter Allee soll Aufschluss über die Machbarkeit derartiger Vorhaben auf Hauptstraßen bringen. Geplant ist demnach zwischen Niederbarnimstraße bis zum U-Bahnhof Frankfurter Allee die stadtauswärts führende Fahrbahn von drei Spuren auf zwei zu verringern. Die bisherige dritte Spur kann dann ausschließlich von Radfahrern genutzt werden. Mit diesem Modellversuch der Ende des Jahres starten soll, werde nicht nur die Sicherheit für die Radfahrer sondern auch für die Fußgänger erhöht.

Die Fahrradinitiative Berlin verlangt unter anderem 350 Kilometer Fahrradstraßen, breite Radwege an jeder Hauptstraße und 100 Kilometer Schnellwege. Als größtes Vorhaben hat der Senat ein Netz von Fahrradwegen parallel zu den Autobahnen in der östlichen Innenstadt angemeldet. Dafür veranschlagt er 20 Millionen Euro. Demnach soll der vorhandene Asphaltweg entlang der A113 zwischen Neukölln und Adlershof um eine Parallele zur künftigen A 100 nach Treptow ergänzt und perspektivisch in den Görlitzer Park verlängert werden. Eine zugehörige Brücke über den Britzer Zweigkanal soll ebenfalls gebaut werden. Zudem ist ein 6,5 Kilometer langer „Radschnellweg Nord“ von Wilhelmsruh nach Frohnau geplant, der perspektivisch bis nach Mitte reichen soll. Kosten: etwa 13,5 Millionen Euro. Hinzu kommen kurze Abschnitte in Pankow (Esplanade – S-Bahnhof) und Reinickendorf (Ghanastraße – Kurt-Schumacher-Damm), die ab 2018 als Teile von Routen zwischen Mitte und Buch bzw. Tegel entstehen sollen.

(Artikelfoto: Geteilter Weg – Fuss und Fahrradweg auf der Frankfurter Allee – Foto: Ettueg)

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