Ungerecht: Currywurst im Sitzen wird höher besteuert als Currywurst im Stehen

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Die Supermärkte bieten immer mehr verzehrfertige Produkte zum Mitnehmen („To go“) an, ob für die Mittagspause oder für abends zuhause. Für diese Lebensmittel zahl der Verbraucher den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7%. Würde er stattdessen ins Restaurant gehen, müsste er für sein Essen schlappe 19% Mehrwertsteuer berappen. Außerdem muss der Wirt noch Personal, Sitzplätze, Toiletten und viele es mehr bereit halten – zusätzliche Kosten, die der Supermarkt nicht hat.

Die steuerliche Ungleichbehandlung aller Speisen – unabhängig vom Ort des Verzehrs und von der Art der Zubereitung – ist für den Deutschen Hotel- und Gastronomie-Verband, DEHOGA, seit vielen Jahren das Aufregerthema. Für den Verband geht es um die Zukunft der klassischen Gastronomie, in der Speisen frisch zubereitet und serviert werden. Ebendiese klassische Gastronomie ist sehr arbeitsintensiv. Auf den gleichen Umsatz kommen sechs Mal mehr Beschäftigte als zum Beispiel im Lebensmittel-Einzelhandel. Grundsätzlich befürwortet die DEHOGA den reduzierten Mehrwertsteuersatz für alle Lebensmittel – ein solcher gilt in 21 von 28 EU- Staaten. Doch sei es – im Sinne eines fairen Steuersystems und der Anerkennung gesellschaftlicher Realitäten – höchste Zeit, zubereitete und servierte Speisen steuerlich gleich zu behandeln.

Ein bekannteste Beispiel für das Mehrwertsteuer-Wirrwarr in Deutschland ist die Currywurst-Bude: Wer seine Currywurst vor Ort verzehrt, zahlt 19 Prozent Mehrwertsteuer. Allerdings nur dann, wenn er sich mit seiner Currywurst auf den vom Imbiss bereitgestellten Sitzmöbeln niederlässt. Wer vor dem Imbiss stehen bleibt oder auf eine Parkbank wenige Meter neben dem Imbiss ausweicht, wird mit seiner „To go“-Wurst nur mit sieben Prozent zur Kasse gebeten. Die Vorgaben sind teils so kompliziert, dass sich selbst Finanzämter, ja sogar Richter, schwer tun, den gültigen Steuersatz zu ermitteln. Weiteres absurdes Beispiel: Liefert ein Caterer sein Essen in Einweggeschirr, so muss er nur 7 Prozent in Rechnung stellen. Es sei denn, er bringt auch noch zwei Stehtische mit. Dann unterliegt der gesamte Umsatz automatisch dem vollen Steuersatz. 19 Prozent schreibt der Gesetzgeber auch dann vor, wenn das Partyservice-Unternehmen Porzellangeschirr ein- setzt. Das reduziert zwar die Müllberge, erhöht aber den Preis. Anders ausgedrückt: Wegwerf- Denken wird vom Staat gefördert, umweltbe- wusstes Handeln dagegen bestraft.

Übrigens: Catering für Kitas, Schulen und Se- niorenheime unterliegt 19 Prozent Mehrwert- steuer, Catering für Studenten an Universitäten dagegen nur 7 Prozent. Auch nicht nachvoll- ziehbar ist, warum bestimmte Produkte wie Tiernahrung oder Kino-Popcorn mit lediglich sieben Prozent besteuert werden – das frisch zubereitete Essen im Lokal dagegen mit vollen 19 Prozent. Mit seiner Initiative „Fair schmeckt’s besser“ bringt der DEHOGA die bestehenden Widersprüche bei der Speisen-Besteuerung in Deutschland auf den Punkt.

Mehr Infos unter: www.fairschmecktsbesser.de

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