Von berauschenden Grünanlagen und Kreuzberger Coffeshops

Hanf Cannabis Anbau Berlin

Da staunten die meisten nicht schlecht, als vergangenen Mai eine kleine Hanfplantage mitten in Kreuzberg entdeckt wurde.

Eines Morgens sprießten auf der zuvor noch brachen Erdfläche am U-Bahnhof Kottbusser Tor über 700 kleine Cannabis-Pflanzen. Vor allem die folgende Ernteaktion der Polizeibeamten sorgte für Schmunzeln. Die Pflanzen wurden im Anschluss natürlich fachmännisch beseitigt. Denn ob nun als Stadtverschönerungsmaßnahme gedacht oder nicht: Der Anbau ist in jedem Fall illegal, da Cannabis Grundlage für die Herstellung von Marihuana und Haschisch ist und somit unter das Betäubungsmittelgesetz fällt.

Plantage als politisches Statement

Zu der ungewöhnlichen Bepflanzungsaktion wollten sich einige Zeit später Vertreter der Piratenpartei bekennen: Um auf die Missstände in der Berliner Drogenpolitik aufmerksam zu machen, habe man mehrere Kilogramm Hanfsamen im Zoohandel gekauft, wo das Produkt als Futtermittel vertrieben wird. Bei den Pflanzen handle es sich deshalb nur um männliche Exemplare, die den berauschenden Wirkstoff THC nicht enthalten. Man spricht dann von Nutzhanf. Der Anbau ist jedoch genehmigungspflichtig, auch wenn die Pflanze den halluzinogenen Wirkstoff nicht enthält.

Die Idee, Nutzhanf auf öffentlichen Grünflächen anzubauen, hat sich bei den Piraten dennoch festgesetzt. In einem Interview kündigte Florian Lange vom Ortsverband Lichtenberg an, dem Grünflächenamt mit neuen Ideen unter die Arme greifen zu wollen. Die Begründung: Nutzhanf verbessere dank seiner positiven Eigenschaften langfristig die Bodenqualität. Dieses Argument stieß bei Wilfried Nünthel (CDU), Stadtrat für Stadtentwicklung und Umwelt, auf wenig Begeisterung. Zum einen sei die Rechtslage bezüglich des Anbaus von Hanf auf öffentlichen Flächen eindeutig, zum anderen sei die Begründung auch fachlich nicht überzeugend. Es gebe genügend heimische Pflanzen, die eine ebenso vitalisierende Wirkung auf den Boden hätten.

Modellversuch zur Legalisierung von Hanf in Berlin

Dass die Bemühungen der Piratenpartei in Sachen Grünanlagen auch einen anderen Hintergrund haben, ist bei der offen propagierten „repressionsfreien Drogenpolitik“ der Partei natürlich offensichtlich. Auch an anderer Stelle tut sich zu diesem Thema in Berlin gerade einiges: Der Bezirk Berlin-Friedrichshain will einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung für die „geregelte Abgabe von Cannabis“ beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stellen und damit einen Modellversuch zur Legalisierung starten. In speziellen Geschäften sollen Bewohner des Stadtteils über 18 Jahren mit einem anonymisierten Ausweis Cannabis legal kaufen können. Ziel ist es, durch die kontrollierte Abgabe von Cannabis dem anhaltenden Drogenproblem im Bezirk mit Schwerpunkt Görlitzer Park entgegenzuwirken. In Deutschland ist Cannabis momentan lediglich als ein bedingt verkehrs- und verschreibungspflichtiges Arzneimittel erlaubt. Bei der Behandlung von Tremor oder Muskelspasmen ist der Einsatz von medizinischem Cannabis schon erprobt, auch bei anderen Krankheiten, wie zum Beispiel Asthma, soll das Gewächs den Patienten Vorteile bringen. Laut Aussage von Bürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) soll der Antrag noch im Juli gestellt werden. Das zuständige Institut hat nach einer dreimonatigen Frist zu entscheiden, ob das Betäubungsmittelgesetz zugunsten des Berliner Bezirks gelockert wird.

(Artikelfoto: Landwirtschaft am Kotti  • Foto: © Polizei Berlin)

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