Kinderopernhaus Marzahn-Hellersdorf zu Gast in der Staatsoper

Kinderopernhaus Marzahn-Hellersdorf ©Angela-Kröll
Kinderopernhaus Marzahn-Hellersdorf ©Angela-Kröll

Kinder und Opernhaus, sind das nicht zwei Begriffe, die gar nicht zusammengehen? Falsch! Theater für Kinder reicht bereits bis ins 17. Jahrhundert zurück, als an Jesuitenschulen Aufführungen mit der Tradition der christlichen Verkündigung brachen und sich weltlicher Unterhaltungskonzepte bedienten.

Eine Kinderoper als Operngenre entwickelt sich aber erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Das bekannteste Stück ist Hänsel und Gretel von 1893 vom Komponisten Engelbert Humperdinck. Doch Kinder wirkten meist nur als Komparsen oder im Kinderchor mit – die Hauptrollen waren mit erwachsenen Schauspielern besetzt.

In einer beachtenswerten Kooperation der Caritas, des Wohlfahrtverbandes der katholischen Kirche, und der Staatsoper Berlin entstand imLichtenberger Kinder- und Jugendfreizeitzentrum Steinhaus ein Projekt, das mit seinem Konzept von Bildung durch Musik und Theater sogleich auf großes Interesse stieß. Regina Lux-Hahn studierte erst Tontechnik an der ARD-Hochschule in Nürnberg, dann Sozialpädagogik an der Fachhochschule Niederrhein, war in verschiedenen Funktionen für die Caritas in Aachen, Bremen und Brandenburg tätig, bevor sie ab 2005 leitete sie im Berliner Caritasverband die Region Süd-Ost mit Schwerpunkten in der Migrations- und Jugendarbeit leitete. Ihr Konzept Bildung durch Musik und Theater stieß bei der Berliner Staatsoper auf Interesse und so entstand die Idee für das Kinderopernhaus Lichtenberg. Das Kinderopernhaus bietet Kindern im Grundschulalter unabhängig von Herkunft oder Bildungsgrad die Möglichkeit, sich die Vielfalt des Musiktheaters zu erschließen, künstlerische Prozesse nachzuvollziehen und in den aufgeführten Stücken eigene Perspektiven abbilden zu können. Dabei kommt es der Initiatorin besonders darauf an, Kinder zu erreichen, die nicht von Hause aus einen Bezug zu Musik oder Theater haben, ja vielleicht sonst nie in eine Opernaufführung gehen würden.

Zuletzt ein Stück über Fanny Hensel in der Werkstatt der Staatsoper aufgeführt

Hier geht es darum, dass Kinder selbst auf der Bühne stehen und eine Aufführung realisieren. Neben den wöchentlich stattfindenden Proben im Kinderopernhaus für die jährliche Aufführung organisiert das Kinderopernhaus zudem seit mehreren Jahren Kinderoper-AGs an drei Lichtenberger Grundschulen. Viele Aufführungen zu verschiedensten Stoffen und Epochen sind von den Kindern unter Anleitung erfahrener Musiktheaterpädagogen in Lichtenberg sowie an der Staatsoper Unter den Linden verwirklicht worden, darunter „Sternzeit FAS“ nach Chabriers Oper „L’Etoile“, der inszenierte Liederabend „Mir träumte!“, das barocke Singspiel „Engel Singen Hören“ nach dem Oratorium „Tobit“ von Georg Friedrich Händel und das impressionistische Klangbild „Was Du nicht siehst“ nach Claude Debussys „Children’s Corner“. 2015 realisierte das Kinderopernhaus eine seiner ambitioniertesten Produktion mit „Es liegt in der Luft“, einer 1928 uraufgeführten Revue von Mischa Spoliansky und Marcellus Schiffer. Die jüngste Produktion „FANNY! – Wer will mir wehren zu singen“ beleuchtete Leben und Werk der Berliner Komponistin Fanny Hensel, geborene Mendelssohn. Das Stück feierte im April 2018 sechs erfolgreiche Aufführungen in der Neuen Werkstatt der Staatsoper.

Nun wechselte Regina Lux-Hahn zum 1. August von der Caritas zur Staatsoper, um das Projekt als „Kinderopernhaus Berlin“ gemeinsam mit sechs Berliner Stadtbezirken weiterzuentwickeln. Ein Schwerpunkt dabei ist das künftige „Kinderopernhaus Marzahn-Hellersdorf“. Hier bestehen bereits seit dem Schuljahr 17/18 zwei Kinderoper-AGs an der Johann-Strauß-Schule sowie an der Schule an der Geißenweide. Diese AGs ermöglichen den Kindern in Basisübungen eine erste niedrigschwellige Begegnung mit Musik und Theater direkt in ihrem Lebensumfeld.

Darüber hinaus wird nun an der Hans-Werner-Henze-Musikschule das Kinderopernhaus Marzahn aufgebaut. Das Kinderopernhaus Marzahn begann bereits Anfang September mit den Proben für eine Musiktheaterproduktion, die gemeinsam von den 9- bis 12-jährigen Kindern und einem musiktheaterpädagogischen Team (Szenisches Spiel, Chorleitung und Stimmbildung) entwickelt und am 19. Mai 2019 im Freizeitforum Marzahn aufgeführt wird. Ein weiteres Highlight ist zudem der Kinderoperntag am 8. Juni 2019 in der Staatsoper Unter den Linden, an dem die Kinder Ausschnitte aus ihrer Produktion zeigen. Karl Forster

Bilder: ©Angela Kröll.

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