Taiwan in Deutschland lädt zum Schach-Wochenende ein

Schach-Wochenende im Kultursaal der Vertretung Taipehs. Bildnachweis: ©CC0 via pixabay.com
Schach-Wochenende im Kultursaal der Vertretung Taipehs. Bildnachweis: ©CC0 via pixabay.com

Das Schachspiel hat in der Vergangenheit nicht nur in der internationalen Politik eine bedeutende Rolle gespielt, etwa in der Auseinandersetzung zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski im isländischen Reykjavík 1972. Die damalige Weltmeisterschaft wurde auf sportlicher Ebene zum Teil des Kräftemessens zwischen den USA und der Sowjetunion. Auch heute werden sprachliche Bilder und Muster des Schachspiels auf politische Zusammenhänge bezogen, um diese aus einem alternativen Blickwinkel zu durchdringen. Übertragungen der grundlegenden Logik des Spiels der Könige auf ökonomische oder politische Entscheidungsprozesse können zudem helfen, planerische Prozesse zu optimieren.

Taiwan gehört heute zu den ökonomisch erfolgreichen Staaten der industrialisierten Welt. Es zählt zudem schon seit vielen Jahren zu den konsolidierten Demokratien Ostasiens und ist bekannt für die Durchsetzung hoher Standards im Bereich der Menschenrechte. Parallel dazuwird Taiwan nur von wenigen Staaten diplomatisch anerkannt. Hintergrund ist die „Ein-China-Politik“ Pekings, die sämtliche Regierungen vor eine klare Wahl stellt: Wer diplomatische Beziehungen zu Taiwan unterhält, muss jene zu China abbrechen.

China bedroht taiwanische Demokratie

In den vergangenen Jahren hat die mächtige Volksrepublik den Druck auf unser Land erhöht. Dazu gehören verschiedene Formen der internationalen Isolierung, die Schwächung der Wirtschaft und insbesondere umfangreiche militärische Drohgebärden. Die chinesische Führung ist bis heute drauf und dran, ihre „abtrünnige Provinz“ notfalls mit Gewalt zu annektieren und somit eine lebenswerte Demokratie schachmatt zu setzen, obwohl es in der Demokratie keinen König gibt.

Seit 1949 gehen Taiwan und das Festland getrennte Wege. Die Situation hat den Charakter einer langen Schachpartie angenommen, bei der nicht sicher ist, ob sich beide Parteien noch im Mittelspiel oder aber schon in einem langen Endspiel befinden. China führt zweifellos die weißen Steine, wohingegen Taiwan in der schwächeren Position die schwarzen Figuren wählen musste.

Taiwan muss ein Matt verhindern

Um im Bild zu bleiben: Vermutlich haben wir uns für eine Art Philidor-Verteidigung entschieden, um unsere Unabhängigkeit aufrechtzuerhalten. Sie ist solide spielbar, begrenzt aber auch die eigenen Handlungsmöglichkeiten. Die Initiative liegt weiterhin bei China. Noch ist offen, wie diese lange Schachpartie enden wird. Die Politik Taiwans ist darauf gerichtet, ein Matt zu verhindern. Mit einem Remis wären wir sehr zufrieden.

Ich möchte Sie daher herzlich einladen, an unserem Schachwochenende vom 14. bis zum 16. Juni 2019 in Berlin teilzunehmen – als Zuhörer, Kiebitz oder Simultangegner. Freuen Sie sich auf Ihre eigene Partie gegen einen renommierten Großmeister, die beste Schachspielerin Deutschlands oder eine herausragende Nachwuchsspielerin, die in jüngster Zeit auf sich aufmerksam gemacht hat. Zu Beginn unserer Veranstaltung besteht zudem die Möglichkeit, über Parallelen zwischen den Welten des Schachs, der Wirtschaft und der Politik zu diskutieren sowie einer Partie Blindschach beizuwohnen.

Prof. Dr. Jhy-Wey Shieh Repräsentant von Taiwan
Prof. Dr. Jhy-Wey Shieh, Repräsentant von Taiwan in Deutschland

Programm und Ablauf

Freitag, 14. Juni 2019

  • 17.15 Uhr: Einlass
  • 17.45 Uhr: Begrüßung
  • 18.00 Uhr: Vortrag „Zwischen Intuition und Ratio: Was können Analytiker in Wirtschaft und Politik vom Schach lernen?“ von GM Stefan Kindermann, Prof. Dr. Martin Wagener
  • Blindschach mit GM Stefan Kindermann (Nr. 5/Österreich/H) gegen Schachspieler aus Taiwan

Samstag, 15. Juni 2019

  • 09.45 Uhr: Begrüßung
  • 10.00 Uhr: Simultanschach mit GM Jan Gustafsson (Nr. 2/Deutschland/H)
  • 14.00 Uhr: Simultanschach mit WGM Elisabeth Pähtz (Nr. 1/Deutschland/F) Verabschiedung
  • 18.00 Uhr: Verabschiedung

Sonntag, 16. Juni 2019

  • 09.45 Uhr: Begrüßung
  • 10:00 Uhr: Simultanschach mit WIM Fiona Sieber (Nr. 7/Deutschland/F)
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