Ur-Künstler, Ur-Berliner

Ephraimpalais-Berlin
Ephraimpalais-Berlin

Ur-Künstler, Ur-Berliner – am 20. Mai begeht die Kunstwelt den 250. Geburtstag des Bildhauers, Malers, Zeichners und Kunstgelehrten Schadow, geboren als Sohn eines Berliner Schneidermeisters, Adept des friderizianischen Hofbildhauers Antoine Tassaert und nach dem Tode seines Meisters dessen Nachfolger, seit 1816 Direktor der Berliner Akademie der Künste, der er, bereits hoch betagt, bis zu seinem Tode im Jahre 1850 vorstand.

Mit Schadow begann jene beträchtliche Reihe bildender Künstler, die in ihrer Geburtsstadt Berlin eine künstlerische Karriere starteten, die sie zu hohem Ansehen führte, die sich ihr Schaffen aber nicht ohne das vertraute Milieu ihrer Geburtsstadt vorzustellen vermochten, in dem sie lebten und webten. Nicht nur Berlin ehrt diesen Künstler, dessen Schöpfungen auch heute noch im öffentlichen Raum Berlins präsent sind, sondern die Bundesrepublik insgesamt: im Mai werden der Öffentlichkeit eine 60-Cent-Schadow-Sonderbriefmarke und eine 10-€-Schadow-Gedenkmünze präsentiert werden.

Schadows Vaterstadt ehrt ihn vorrangig mittels ihrer Stiftung Stadtmuseum, die ihm eine wahrhaft opulente Ausstellung im Ephraimpalais widmet und dabei aus dem reichen Schatz ihrer Bestände zu schöpfen vermag, die sie durch Leihgaben aus Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz noch bereichert.

Mit ihrem Titel „Unser Schadow“ bezieht diese sich auf ein Gedenkblatt, das der „Verein Berliner Künstler“ seinem Vorsitzenden 1844 zu dessen 80. Geburtstag überreichte. Aber ein solcher Titel bezieht sich natürlich unterschwellig auch auf die – Gott sei Dank! – erhaltenen oder wieder hergestellten Beweise für Schadows künstlerischem Auftritt im hiesigen öffentlichen Raum.

Was wäre unsere Stadt im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit (ebenso wie in dem der in die Stadt strömenden Touristen) ohne das weltweit mit Berlin identifizierte Brandenburger Tor mit seiner krönenden Quadriga – deren Entwurf wir dem Schöpfertum des erst 25-jährigen Schadow verdanken?

Das einzige Relikt, das von dem 1794 aufgestellten originalen Vierergespann der Friedensgöttin nach den Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges noch erhalten ist – einer der vier Pferdeköpfe – glänzt als eines der Highlights der Ausstellung: man muss sich bei seinem Anblick bewusst machen, dass dieser museale Sachzeuge zu jenem Ensemble gehörte, das Napoleon 1806 nach Paris entführen und Blücher 1814 nach Berlin rückführen ließ.

Dass auch die Medaillons an den inneren Seitenwänden des Brandenburger Tores auf Schadow zurückgehen – das ist schon weit weniger im öffentlichen Gedächtnis. Seine Standbilder des Reitergenerals Joachim von Zieten (aufgestellt 1794) und des „Alten Dessauers“ Fürst Leopold von Anhalt (aufgestellt 1800) sind jetzt wieder an der Wilhelmstraße in den öffentlichen Raum gestellt. Sein Standbild König Friedrichs II. von 1793 steht vor dem Knobelsdorff-Flügel von Schloss Charlottenburg, wenngleich dort nur als Abguss: das seinerzeit für Stettin bestimmte Original, das dort nach 1945 demontiert wurde, wird z. Z. in der Zusammenarbeit deutscher und polnischer Fachleute für eine dortige Wiederaufstellung restauriert.

Schadows Grabmal für den verstorbenen Knaben Graf v. d. Mark (1790) und seine  Doppelskulptur der Prinzessinnen Luise und Friederike (1797) sind in der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel zu bewundern. Sein kurz vor 1800 geschaffener Wandfries für das damals neue (aber 1885 abgebrochene) Münzgebäude auf dem Werderschen Markt ziert als Replik das Verwaltungsgebäude der Berliner Münze am Molkenmarkt genau vis-á-vis vom Ephraimpalais.

Schadows von ihm selbst entworfenes Wohn- und Atelierhaus, das er seit 1805 bewohnte, bietet sich seit Kurzem wieder vollständig restauriert in der vom Boulevard Unter den Linden abzweigenden, ihm zu Ehren schon zu Lebzeiten (1836) so benannten Schadowstraße (Nr. 10/11), jetzt auch wieder prächtig geschmückt mit den über der Haustür und an der Fassade angebrachten Schadow-Reliefs mit der Darstellung der Künste in verschiedenen Zeitaltern. In ihm befindet sich auch der Sitz der 1993/94 gegründeten Schadow-Gesellschaft, die jetzt als Mitveranstalter an vielfältigen Berliner Aktivitäten zum Jubiläumsjahr mitwirkt.: sie wird u. a. am 25. Mai auf einer wissenschaftlichen Tagung  zum Thema „Europäisch-klassizistisch oder preußisch-universalistisch?“ neue Denkbilder zu Schadow und der Kunst in seiner Zeit diskutieren.

SchadowWeitere Informationen:
„Unser Schadow. Gratulationen zum 250. Geburtstag“ – Ausstellung im Ephraimpalais.
Poststr. 16 (Nikolaiviertel), Geöffnet bis zum 29. Juni 2014,  Di, Do – So 10 – 18 Uhr, Mi 12 – 20 Uhr. (Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, 1. Mai 10 – 18 Uhr).  Eintritt 5,- EUR, ermäßigt 3,- EUR, jeden 1. Mi im Monat eintrittsfrei. www.stadtmuseum.de/ausstellungen/unser-schadow

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