Wofür deutsche Bürger ein Darlehen aufnehmen

Nicht nur große Unternehmen greifen regelmäßig auf Kredite und Finanzierungen zurück. Auch deutsche Bürger nutzen sie privat, um große finanzielle Belastungen zu stemmen. Ein Grund für die steigende Anzahl der Privatkredite ist der stetig sinkende Leitzins. Doch wie viele Privatpersonen der Bundesrepublik haben tatsächlich Kredite aufgenommen und wie werden diese abgewickelt?

Marktstudie zur Entwicklung privater Kredite
smava-infografik-wofuer-deutsche-kredite-aufnehmenUm herauszufinden, wie sich die Anzahl, die Art und die Verwendung privater Kredite entwickelt, wurde im Jahr 2017 durch die GfK SE eine Marktstudie erstellt. Dabei handelt es sich um das größte und namhafteste Marktforschungsinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Das Unternehmen mit Sitz in Nürnberg ist vor allem für die Erhebung von Einschaltquoten im deutschen Fernsehen bekannt. Die Marktstudie über die Entwicklung von privaten Krediten und Finanzierungen wurde in Zusammenarbeit mit dem Bankenfachverband erstellt. Ziel war es in erster Linie, die Bekanntheit verschiedener Finanzierungsarten sowie das tatsächlich Nutzerverhalten herauszustellen. Zu diesem Zweck wurden Kreditnehmer mit den verschiedensten Hintergründen befragt. Zunächst musste man feststellen, dass in allen Einkommensschichten Nutzer von Krediten und Finanzierungen zu finden sind. So wurden sowohl Bürger mit begrenzten finanziellen Mitteln als auch sehr wohlhabende Kreditnehmer befragt. Studienteilnehmer mit einem Einkommen, das unter 1.499 Euro pro Monat liegt, nahmen an der Gesamtzahl der Befragten einen Anteil von 21% ein. Bürger, denen im Monat 3.500 Euro und mehr zur Verfügung stehen, waren zu 19% vertreten. Den größten Bruchteil in Höhe von 35% nahmen Teilnehmer mit einem Einkommen von 1.500 bis 2.499 Euro ein.

Wer nutzt Finanzierungen und wie setzen sich diese zusammen?
Einer der wichtigsten Aspekte der Marktstudie war es, die tatsächliche Nutzung der verschiedenen Kredite herauszustellen. Auf die Frage, wer aktuell eine Finanzierung nutzt, antworteten mehr als ein Drittel (36%) mit „ja“. Bei dieser Anzahl sind auch Befragte berücksichtigt, die auf mehr als eine Finanzierung gleichzeitig zugreifen. Ratenkredite waren dabei unter den Studienteilnehmern mit einer Anzahl von 27% am stärksten vertreten. Mit nur 3% fiel dagegen die Zahl für Leasingverträge überraschend gering aus. Allerdings musste man auch feststellen, dass der Großteil aller Befragten überhaupt keine laufende Finanzierung hatte. Auffällig war jedoch, dass viele der Finanzierungsnutzer sich nicht auf einen einzigen Vertrag beschränkten. Im Jahr 2017 hatten ein Viertel dieser Personen mindestens zwei Finanzierungen am Laufen. Bis zu fünf Finanzierungsverträge hatten immerhin noch 6% abgeschlossen. Man konnte zudem beobachten, dass die Gesamtzahl der Finanzierungen sowie der Anteil der Nutzer von mehreren Abschlüssen im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen waren. Auch die offene Gesamtkreditsumme erfuhr eine Abnahme, obwohl im Jahr 2016 noch 52% der Befragten lediglich 5.000 Euro oder weniger zu bezahlen hatten und dieser Anteil im Folgejahr auf 44% sank. Während Kreditnehmer im Jahr 2016 durchschnittlich noch 10.800 Euro zu bezahlen hatten, reduzierte sich dieser Betrag 2017 auf durchschnittlich 9.800 Euro. Allerdings hatten immerhin noch 8% der Befragten eine offene Kreditsumme von über 25.000 Euro zu tilgen.

Die Finanzierung im freien Handel
Finanzierungen und Ratenkredite spielen im freien Handel eine wesentliche Rolle. Sie sind nicht nur eine wesentliche Stütze zur Tilgung großer Investitionen, sondern können die Kaufentscheidung von Kunden auch maßgeblich beeinflussen. Auch diese Aspekte waren Teil der Marktstudie. So stellte sich heraus, dass bei 84% aller Teilnehmer eine Finanzierung im freien Handel bereits durch gezielte Nachfrage und ein Angebot durch den Händler in Frage kam. Etwa 67% der Befragten gaben an, sich schon bei Händlern nach Finanzierungen erkundigt zu haben, ohne je ein Angebot erhalten zu haben. Der Anteil von Personen, bei denen es genau andersherum war, lag währenddessen bei 39%. Nur 16% gaben an, noch nie mit der Möglichkeit einer Finanzierung direkt in Kontakt gekommen zu sein. Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll, welche maßgebliche Rolle Finanzierungen und Ratenkredite in der freien Wirtschaft einnehmen. Noch deutlicher wird dies, wenn man sich die statistische Erhebung über die Auswirkung auf die Kaufentscheidung potentieller Kunden ansieht. Unter den Teilnehmern der Marktstudie lag der Anteil an Personen, die den jeweiligen Kauf auch ohne Finanzierungsmöglichkeit getätigt hätten, bei gerade Mal bei 37%. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass knapp zwei Drittel aller berücksichtigten Kaufentscheidungen dank der möglichen Tilgung durch Finanzierung oder Ratenkredit positiv ausfielen.

Wofür werden Finanzierungen und Ratenkredite genutzt?
Der große Anteil und die wesentliche Bedeutung von Finanzierungen und Ratenkrediten sind aufgrund der bereits genannten Zahlen unumstritten. Doch mindestens ebenso interessant wie diese Erhebungen ist es, herauszufinden, wofür entsprechende Verträge abgeschlossen werden. Wie bereits festgestellt wurde, liegt der durchschnittliche zu tilgende Gesamtbetrag der vergebenen Kredite bei 9.800 Euro. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass etwa ein Viertel der Studienteilnehmer lediglich eine Finanzierung abgeschlossen hat, ergibt sich die Vermutung, dass deutsche Bürger mit Hilfe von Krediten überwiegend sehr große Investitionen tätigen. Diese Annahme wird auch durch die direkte Befragung bestätigt. So verwundert es nicht, dass 32% aller Finanzierungen und Ratenkredite für den Kauf eines Gebrauchtwagens abgeschlossen werden. Einen ebenfalls hohen Anteil von 26% nehmen Abschlüsse zum Zwecke der Neuwagenbeschaffung ein. Den Luxus von sonstigen Fahrzeugen, wie Wohnmobilen, leisten sich dagegen nur 2% der Befragten. Ebenfalls große finanzielle Belastungen bringen Möbel und neue Küchen mit sich. Etwa 17% der Studienteilnehmer gaben an, diese Investitionen mit Hilfe einer Finanzierung zu tilgen. Eine interessante Beobachtung konnte man außerdem machen, als die Ablösung von Ratenkrediten zur Sprache kam. Sogar 15% der befragten Personen bestätigten, diese Form der Finanzierung in Anspruch genommen zu haben. Währenddessen sank der Anteil für Unterhaltungselektronik und Computer um 3%-Punkte auf insgesamt 14%. Einen noch größeren Abfall von 4%-Punkten erfuhren Finanzierungen für einen Urlaub, der nun nur noch bei 6% liegt.

Finanzierung von privaten Kraftfahrzeugen
Der große Anteil der Finanzierungen für private Kraftfahrzeuge verwundert nicht, denn immer mehr Personen sind auf Mobilität angewiesen. Die wichtigsten Gründe hierfür sind steigende Anreisewege zum Arbeitsplatz und wöchentliche Großeinkäufe. So gaben 85% aller Teilnehmer der Marktstudie an, einen PKW zu besitzen. Während sich etwas mehr als die Hälfte der Befragten auf ein Fahrzeug beschränkt, teilten 28% mit, sogar zwei Kraftfahrzeuge zu besitzen. Drei oder mehr PKW pro Haushalt waren bei 5% vertreten. Lediglich 15% der Befragten beschränken sich also in ihrer Mobilität auf öffentliche Verkehrsmittel. Insgesamt wurden 38% aller PKW durch eine Finanzierung bezahlt. Vor allem Neuwagen, bei denen im Jahr 2017 ein Anstieg von 4%-Punkten im Vergleich zum Vorjahr zu beobachten war, fallen dabei mit einem Anteil von 46% ins Gewicht. Der Anteil von Gebrauchtwagen lag währenddessen bei knapp über einem Drittel. Seit 2012 ist der Anteil der finanzierten Kraftfahrzeuge sogar um 5%-Punkte gestiegen. Dies erklärt auch, warum der Anteil der Finanzierungen zum Zwecke der Gebraucht- und Neuwagenbeschaffung bei allen deutschen Bürgern so hoch ist.

Einfluss der Digitalisierung auf das Finanzierungsverhalten
Während in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die industrielle Revolution vor allem durch die Erfindung der Dampfmaschine in die Startlöcher ging, befinden wir uns im Moment in einem ähnlichen Wandel. Die sogenannte Digitalisierung stellt in Fachkreisen die bereits vierte industrielle Revolution dar. Diese hat nicht nur Einfluss auf die Wirtschaft und das private Leben, sondern verändert auch das Finanzierungsverhalten der Bürger. Nimmt man die Finanzierung eines PKW als Beispiel, können sich mittlerweile sogar 14% der Kreditnehmer vorstellen, diese online abzuwickeln. Weitere 14% der Befragten gaben an, zwar skeptisch zu sein, der Online-Abwicklung jedoch offen gegenüberzustehen. Dagegen können sich 73% der Studienteilnehmer nicht vorstellen, eine Finanzierung für einen PKW im Internet abzuschließen. Trotz der hohen Anzahl der skeptischen Personen ist auch in den nächsten Jahren ein Anstieg zu erwarten. Diese Prognose lässt sich auch dadurch begründen, dass immer mehr deutsche Bürger Apps zur Abwicklung von Bankgeschäften nutzen. Den ersten großen Aufschwung dieser Mobil-Anwendungen konnte man im Jahr 2012 beobachten. Im Jahr 2017 gaben 27% der Befragten an, finanzielle Geschäfte der Bank am Smartphone abzuwickeln, was einen Anstieg von 22%-Punkten innerhalb von fünf Jahren bedeutet. Allerdings muss man auch feststellen, dass so gut wie niemand eine App zum Abschluss von Finanzierungen nutzt. Hier haben entsprechende Unternehmen also noch großen Nachholbedarf, wenn sie mit der rasanten Entwicklung der Digitalisierung Schritt halten wollen.

Der Wert von Kreditvergleichen im Internet
Auch wenn die meisten Befragten einer Abwicklung von Krediten und Finanzierungen im Internet skeptisch gegenüberstehen, muss man feststellen, dass sich das Vergleichen von Krediten immer lohnt. Wie bereits festgestellt wurde, gibt es einen erheblichen Anteil an Personen, die sich im freien Handel gezielt nach einer Finanzierung erkundigen. Dies ist jedoch nur bei den einzelnen Händlern an sich möglich. Von diesen erhält man grundsätzlich kein individuelles Angebot, sondern lediglich den Tarif des jeweiligen Anbieters. Vergleicht man mehrere Angebote, kann man seine Suche auf bestimmte Kriterien einschränken, um das beste Ergebnis zu finden. Ein Kreditvergleich im Internet übernimmt diese Aufgabe selbstständig und erspart es dem Verbraucher, alle Angebote einzeln und manuell abgleichen zu müssen. Wenn man sich wieder das Beispiel der PKW-Finanzierung vor Augen hält, kann man feststellen, dass Angebote eines Händlers nicht neutral sind. Grund hierfür ist zum einen, dass der Anbieter an einem Verkauf interessiert ist und das Finanzierungsangebot somit nur von seiner positiven Seite beleuchtet. Zum anderen kommt hinzu, dass solche Händler meist eine Provision bekommen, weshalb der Verkauf durch Finanzierung im Fokus steht. Bei einem im Internet durchgeführten Vergleich erhält man dagegen eine neutrale Übersicht. Zudem kann man sich ein Bild aus Angeboten von zahlreichen Banken machen, was den Entscheidungsspielraum deutlich erhöht.

 

(Artikelfoto: Finazierung, Fotos ©: pixabay, CC0 Creative Commons, smava-infografik)

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