Das glitzernde Tirol

der riese

Während es auf den Straßen und an den Gebäuden in der Vorweihnachtszeit glitzert und funkelt, steht Johann Prantner in seiner Werkstatt-Stube und lässt sich von Volksmusik inspirieren.

Der gelernte Tischler, dem seine stattliche Fülle gut zu Gesicht steht, schnitzt an einer Maske aus Zirbelholz. Auch wenn der bekannte, große Faschingsumzug im Tiroler Dorf Absam erst wieder 2017 statt findet. Im Flur stehen in Reih und Glied bereits gefertigte Rodel-Schlitten, während die begehrten handgearbeiteten Krippen längst verkauft sind. Die Tiroler sind nicht nur lustig, sondern überwiegend recht fromm und äußerst traditionsbewusst. Jedes Haus hat seine Krippe. Bauernhäuser stehen in der Weihnachtszeit offen für Besucher, damit die Krippen bewundert werden können. Natürlich muss sich der Gast auch auf ein Schnäpschen einlassen.

Die Region Hall/Wattens, östlich von Innsbruck gelegen, umgeben von der malerischen Kulisse des Karwendel-Gebirges, besteht neben der mittelalterlichen Stadt Hall aus elf Urlaubsorten, die fast alle etwas Besonderes aufweisen.

Durch Absam führt auch der Jacobs-Weg. Fritzens dagegen wird für das schönste Blumendorf gehalten und Thaur gilt als Tirols größtes Gemüseanbaugebiet. In Gnadenwald kommen Ski-Langläufer auf ihre Kosten. Im Sommer sind es die Drachenflieger. Ganz besonders ist das Städtchen Schwaz in die Geschichte eingegangen, denn vor über 500 Jahren begann man hier mit dem Abbau von Silber. Das damals weltweit größte Silberbergwerk wurde 1975 geschlossen und ist heute zu besichtigen.

Das Silber wurde auf dem Inn nach Hall verschifft, wo die ersten Silbermünzen geprägt wurden.

So entstand auch der Taler, Europas erstes Zahlungsmittel. Die Burg Hasegg dient heute als Münzmuseum. Das keltische Wort Hall bedeutet Salz. 700 Jahre lang wurde hier das „weiße Gold“ gewonnen. Das Salzbergwerk schloss 1967.

Hall, inzwischen zum Weltkulturerbe gekürt, ist mit seinen 14 000 Einwohnern ein Kleinod in dieser Landschaft. Der frühere Reichtum ist unübersehbar, wovon schon über zehn Kirchen und Klöster zeugen. Die eng aneinander geschmiegten Häuser im spätgotischen Stil, meist versehen mit schönen Erkern, verstärken den Reiz der Altstadtgassen.

Das Leben ist quirlig und schon immer unterschiedlich geprägt gewesen. In einem alten Gasthaus fanden leider nur bis 1967 Künstler- Bälle statt. Stets wurde ein originelles Motto verwendet. Dieses Vergnügen war sehr beliebt bei Österreichern, Italienern und Deutschen, doch haftete ihnen ein leichter Ruch an. Einmal wurde ein Postenkommandant der Stadt beauftragt nachzuschauen, ob Anstößiges zu bemerken sei. Sein Bericht lautete: „Nein, nur eine hochgewachsene, junge Dame trug einen schwarzen Hüftgürtel und an der Stelle, wo die Beine auseinander gehen, befand sich ein Schloss aus Pappe, 15×15 Zentimeter.“ Das löste in den Amtsstuben höchstes Vergnügen aus.

Dagegen geht es still im Herz-Jesu Kloster zu. Noch heute existiert dieser Orden. Die Nonnen dürfen nicht sprechen sondern nur beten. Im Volksmund werden sie die „weißen Tauben“ genannt.

Dabei sieht man öfter die wahren grauen Tauben, die jetzt, besonders auf dem Weihnachtsmarkt, herum picken. Dieser ist in Hall alljährig ein Glanzpunkt. Es gibt Glühwein und viel Handwerkskunst aus der Region. Der obere Stadtplatz ist ein einziger Adventskalender. An den Gebäuden leuchten große Zahlen von 1 bis 24.

Doch unglaublich viel mehr blinkt und glitzert es in Wattens. Hier locken die Kristallwelten, einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten von ganz Österreich. Reizvoll zu jeder Jahreszeit.

Zum hundertjährigen Firmenjubiläum der Familie Swarovski in fünfter Generation, konzipierte der Universal-Künstler André Heller Einzigartiges im Zusammenhang mit der Kristallwelt. In der Parklandschaft richtet sich das erste Augenmerk auf den von ihm geschaffenen Wasser speienden Riesen. In seinem Bauch bewegt man sich durch 16 Wunderkammern. Hier haben Künstler aus aller Welt ihren Phantasien freien Lauf gelassen. Drei Tonnen Kristall wurden verarbeitet und erlebbar gemacht. Nicht nur Kinder bekommen große Augen und verharren mit offenem Mund. Die Namen der Künstler und der einzelnen Kammern mit deren Bedeutung sind zweisprachig sichtbar gemacht. Auch Führungen werden angeboten. Damit endet jedoch nicht der Erlebnisbereich.

Neben Kunstwerken in der Natur wurden im Garten Kunstwolken erzeugt. Sie bestehen aus 800 000 handgesetzten kleinen Klunkern, die zu jeder Tageszeit eine andere Wirkung entfalten.

Für Kinder wurden enorme Spielflächen geschaffen, allein ein 20 Meter hoher Turm mit mehreren Etagen. Es finden Musikveranstaltungen, Workshops und Familientage statt. Auch Kindergeburtstage werden ausgerichtet. Neu hinzugekommen ist das Café Restaurant Daniel sowie eine Eisbahn zum Schlittschuh laufen und Eisstockschießen.

Sich zum Abschluss eines Aufenthaltes einen Drink an der Kristall-Bar im Einkauf Bereich zu gönnen, ist die eine Seite. Aber – man muss ganz, ganz stark sein, ohne ein wenigstens klitzeklein erworbenes Schmuckstück nach Hause zu fahren.

Mehr Informationen: Tourismusbüro Hall, www.hall-wattens.at

(Text & Artikelfoto: Elke Thonke)

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