Was ist bloß mit dem guten, alten Reisebüro passiert?

Der Reisesektor war vor 15 Jahren unter den ersten digitalen Migranten. Flugsuchmaschinen, Nischenreiseagenturen und Travelcommunity-Seiten. Ein großer Teil der Flüge, Züge und Hotels wird bereits über das Internet gebucht. In Foren werden Tipps und Erfahrungen zu allen denkbaren Reisezielen ausgetauscht.

Vor knapp einem Jahr wurde in Deutschland der Fernbusmarkt liberalisiert und eine Vielzahl neuer Teilnehmer hat den Markt betreten. Spätestens mit dieser letzten Entwicklung hat die Nachfrage nach einer neuen Art von Reisedienstleistung, eine kritische Masse überschritten. Meta-Reisesuchmaschinen sind seitdem wie Pilze aus dem virtuellen Boden geschossen, aber wegen des intensiven Wettbewerbs und der hohen Anforderungen an die Programmierer, müssen viele Startups schon nach kurzer Zeit wieder aufgeben.

Was macht eine Meta-Reisesuchmaschine?
Man kann sich, etwas vereinfacht, drei Entwicklungsstufen bei den Reisesuchmaschinen vorstellen: Wenn man auf der Seite der Deutschen Bahn nach Zügen sucht, benutzt man bereits eine Suchmaschine. Dannach gibt es Meta-Flugsuchmaschinen, die Flüge verschiedener Airlines miteinander vergleichen und die Ergebnisse bspw. nach dem Preis sortieren. Die dritte Generation, sogenannte Multi-Mode-Reisesuchmaschinen, geht noch einen Schritt weiter.

Klassische Reisebürs sieht man immer seltener
Das Berliner Jungunternehmen GoEuro zum Beispiel, vergleicht und kombiniert Züge, Busse und Flugverbindungen miteinander. Derzeit arbeitet das Startup bereits mit allen wichtigen Transportunternehmen aus Deutschland, Großbritannien und Spanien zusammen. Schon bald sollen die restlichen Länder in Europa auch komplett implementiert sein. Damit ist der größte Vorteil von GoEuro bereits auf den Punkt gebracht: anstatt sich langwierig durch verschiedene Seiten und Suchmaschinen klicken zu müssen, werden Busverbindungen, Züge, Flüge und Mietwagen übersichtlich nach Preis bzw. Fahrtdauer sortiert, angezeigt. Naren Shaam, dem Gründer von GoEuro, ist aber eine Sache besonders wichtig: “Wir wollen die Suche im Internet natürlicher gestalten, und sie am Menschen und nicht in Abhängigkeit von Flughafenstandorten ausrichten.” Obwohl unter dem Firmenlogo in der linken oberen Ecke noch der Zusatz “Beta” steht, wirkt die Seite bereits ziemlich ausgereift und liefert gute bis sehr gute Suchergebnisse. GoEuro ist erst seit Juli online. Gerade weil Zeit und Kosten für die An- und Abreise zu den Flughäfen miteinbezogen werden, spart man sich beim Vergleichen der verschiedenen Transportoptionen viel Zeit und Mühe.

Naren, der aus Indien kommt und in den USA studiert hat, kam die Idee GoEuro zu gründen, als er zwischen Studium und Arbeit vier Monate mit dem Rucksack durch Europa gereist ist: “Ich habe 12 verschiedene Länder in der Zeit bereist und hatte eine unglaublich schöne Zeit – unglaublich war allerdings auch der Aufwand um die ganzen verschiedenen Transportangebote zu vergleichen. Damals habe ich mir gesagt, wenn in den nächsten zwei Jahren sich niemand um das Problem kümmert, werde ich es selbst probieren.” Ende 2012 ist Naren Shaam von New York nach Berlin gezogen um GoEuro zu gründen. Inzwischen arbeiten über 40 Menschen bei GoEuro aus 16 unterschiedlichen Nationen. Die Mitarbeiter haben zwar ganz unterschiedliche Aufgaben und Fähigkeiten, teilen aber alle die gleiche Passion fürs Reisen. Neben der Ausweitung auf weitere Länder, wird im Hintergrund ständig an neuen Funktionen und Updates des Suchalgorithmus gearbeit, um in Zukunft das Reisen in Europa so leicht und angenehm wie möglich zu machen.

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