Leichen unterm Fernsehturm – ein Besuch im neuen Menschen Museum

Menschen Museum Berlin Alexanderplatz

Kaum eine Ausstellungseröffnung war so umstritten, zumindest in den Medien, wie die des Menschen Museums in Mitte. Direkt am Fuß des Fernsehturms stellt Köperwelten-Erfinder Gunther von Hagens jetzt tote Körper aus. Die Berliner Lokalnachrichten haben die Leichen-Schau besucht – und waren beeindruckt.

Sonntagnachmittag, am Fuß des Fernsehturms: Die erwartete Schlange am Eingang des neuen Museums ist ausgeblieben. Trotz vielfacher Berichterstattung. Mit einem leicht flauen Gefühl im Magen geht’s an die Kasse. Doch das weicht kaum zehn Meter weiter purer Faszination. Irgendwie total surreal, dass das, was da zum Anfassen nahe und lebensgroß vor einem steht, mal ein Mensch war.

Dennoch oder vielleicht genau deshalb: Anders als in anderen Museen verhalten sich hier alle, auch Jugendliche, respektvoll. Niemand reißt blöde Witze. Mit großem Interesse werden die mittels einer aufwändigen Technik haltbar gemachten Körper betrachtet, geradezu studiert. Klar, wann sonst kann man einzelne Muskelfasern, Sehnen, ein Herz von innen … so genau und lebensecht betrachten.

Schon verwunderlich, dass wir so wenig über uns selbst wissen – so der Gedanke, der sich sofort aufdrängt. In kaum einem Museum sieht man so viele Besucher tatsächlich die Texttafeln lesen oder gespannt dem Audioguide lauschen, wie hier. Da ist Gunther von Hagens und seinem Team tatsächlich ein kuratorisches Meisterwerk gelungen. Egal, wie man über die Plastinate urteilen mag: Das Menschen Museum ist gut durchdacht und organisiert.

So sind alle Präparate in beleuchteten Vitrinen ausgestellt – etwa kranke und gesunde Nieren (die einen über den eigenen Alkoholkonsum nachdenken lassen). Die erläuternden Texte sind kurz und auch für Laien leicht verständlich. Außerdem sind sie mehrfach in den Vitrinen angebracht – sodass sich auch mehrere Betrachter gleichzeitig über ein Präparat informieren können, ohne sich über Wartezeiten und/oder Drängler zu ärgern.

Thematisch fokussiert das neue Museum den Umgang des modernen Menschen mit dem und seine Beziehung zum Körper. Reflektiert und ohne erhobenen Zeigefinger wird dem Besucher ganz plastisch vor Augen geführt, welche Folgen sein Verhalten haben kann. Eine plastinierte Raucherlunge. Das kann einem schon die Lust auf die Zigarette nach der Ausstellung verderben. Eine verfettete oder von Alkoholmissbrauch geschrumpfte Leber – stimmt nachdenklich.

Auch die in der Ausstellung mehrfach auftauchende Frage nach dem Glück(sempfinden) in der heutigen Zeit – genetisch oder angeboren – lässt so manchen noch Stunden nach dem Ausstellungsbesuch nachdenken

Mehr Informationen: www.memu.berlin

(Artikelfoto: Der Eingang zum Menschen Museum – Foto: © DAVIDS/Laessig)

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