Galerie Bernau stellt Jahresprogramm vor: Heimat, Herz, Orte 

Seit Februar 2021 präsentiert die Galerie Bernau ihr neues Jahresprogramm. Wie der Titel „Heimat, Herz, Orte“ schon vermuten lässt, wird sich die Kunst in diesem Jahr um das zentrale Thema „Heimat“ drehen.
Wie viele andere, muss sich auch die Galerie in diesem Jahr der Herausforderung stellen, ihr Programm in Zeiten der Pandemie zu planen und umzusetzen – vorerst mit geschlossenen Türen und ohne Perspektive auf Wiedereröffnung. Eine geschlossene Galerie bedeutet gleichzeitig das Fehlen von Ausstellungen. Oder vielleicht doch nicht? Die Galerie Bernau stellt um und ermöglicht es 21 Künstlern, auf innovative Art und Weise ihre Arbeiten dennoch auszustellen und für Besucher sicht- und greifbar zu machen. So kann das vielseitige Jahresprogramm „Heimat, Herz, Orte“ dennoch kuratiert werden, indem die Galerie den Künstlern weit mehr als die 100 Quadratmeter Ausstellungsraum in der Bürgermeisterstraße 4 zur Verfügung stellt.

Die Galerie ist ein Ausstellungshaus, dessen Auftrag es ist, zeitgenössische Kunst zu präsentieren, zu fördern und zu vermitteln. Im klassischen Sinne bedeutet dies, Ausstellungen zu realisieren, Künstlern durch die Präsentation ihrer Arbeiten in der Galerie zu fördern, sowie die Umsetzung eines begleitenden Besucherprogramms mit Eröffnungen, Veranstaltungen und Workshops. Üblicherweise wechseln die Präsentationen alle zwei Monate, wobei jede Ausstellung einen künstlerischen Baustein im Jahresprogramm bildet. Eine solche Umsetzung ist 2021 allerdings keinesfalls möglich.

Jahresprogramm ruht auf fünf Säulen

„Heimat, Herz, Orte“ beschreibt ein besonderes Jahr, wobei sich das Heimat-Thema wie ein roter Faden durch die 21 Arbeiten der Künstler zieht. Statt diese in wechselnden Ausstellungen zu präsentieren, wird das Jahresprogramm auf fünf Säulen aufgebaut:  

  1. Videoreihe: Ab Februar wird monatlich eine neue Videoarbeit präsentiert – vor Ort in der Galerie, online auf der Galerie-Website sowie auf dem YouTube-Kanal der Stadt Bernau. 
  2. Skulpturengarten: Die Fläche im Hof der Galerie wird ab März mit Kunstwerken bestückt. Der Hof unter freiem Himmel bietet einen öffentlich zugänglichen Ort inmitten der Stadt.  
  3. Interventionen im öffentlichen Raum: Kunstwerke werden vor der Galerie, im Bernauer Stadtraum sowie online auf der Website und den Social-Media-Kanälen der Galerie präsentiert.  
  4. Ausstellungen: Sobald die Galerie wieder öffnen darf, werden auch wieder Ausstellungen im Galerieraum präsentiert. Die Ausstellungen werden dann jeweils mit einer kleinen Vernissage eröffnet. 
  5. Begleitprogramm: Veranstaltungen für Kunstinteressierte finden vorerst als Onlineformate, wie zum Beispiel der Podcast „KNTXT – Bernauer Stadtgespräche“ in Zusammenarbeit mit dem Bauhaus Denkmal Bundesschule Bernau, statt.  

Der Auftakt des Jahresprogramm 2021 steht unter dem Titel „Heimat, Herz, Orte – KM 0“ und beschäftigt sich mit der Archäologie der Heimat. Als „KM 0“ bzw. „Kilometer Zero“ wird der zentrale Vermessungspunkt eines Landes bezeichnet. Von diesem Zentralpunkt ausgehend wurden traditionell Distanzen gemessen und die Welt darum erfasst. „KM 0“ ist nicht nur der Auftakt des Jahresprogramms mit dezentralen Präsentationen an verschiedenen Orten in Bernau – hier als peripherer Ort nahe Berlin –, sondern steht auch für die Reduktion unserer Bewegung im realen Raum und für den individuellen Standpunkt als „das Zentrum der eigenen Welt“. „KM 0“ versteht sich ebenso als Anfang oder Neuanfang, der nach einem bewegenden Jahr, das wir hinter uns lassen, auf uns zukommt und vermag vielleicht die Frage zu beantworten: Wo stehen wir? 

Arbeit von Karsten Kelsch.

Mit Karsten Kelschs Werk „Irgendwo im Nirgendwo“ (2018–2021) startet die Videoreihe ab Freitag, dem 5. Februar. Es werden Aufnahmen des Künstlers bei der Entstehung der gleichnamigen Arbeit, die vom Verschwinden der Heimat handelt, zu sehen sein. In 30 Teilen zeigt Karsten Kelsch gezeichnete Ansichten des Ortes, wo einst sein Dorf in der Niederlausitz stand. Mit einem QR-Code, der am Schaufenster der Galerie neben dem Video zu sehen ist, können sich Besucher:innen die Serie „Irgendwo im Nirgendwo“ ganz einfach auf ihrem Smartphone oder Tablet anschauen.

So sieht das Frühjahrsprogramm in der Galerie Bernau aus

Im März folgt das Video „Muju“ (2018-2020) von Hana Yoo. Muju“ ist ein Begriff aus dem Zen-Buddhismus und bedeutet „nirgendwo bleiben“ (engl.: not staying anywhere). Hier wird das Bleiben vom Nicht-Bleiben begleitet. „Muju“ untersucht die Konnotation von „Habitat“ in einer meditativ wirkenden Wüste von technischen Bildern und Figuren. 

Ab April wird das Video „Bedrock (2017) von Saša Tatić gezeigt. „Bedrock“ thematisiert das „Land“ oder die „Erde“ als Währung, die eine sichere Zukunft mitgibt, wenn es von Generation zu Generation übertragen wird. Saša Tatić dokumentierte dies in ihrer eigenen Familie. Auf dem Stück Land, das sie von ihrem Großvater geerbt hatte, traf sie die ersten Vorbereitungen, um ein Fundament für ein Haus zu schaffen.

Im Frühling wird, parallel zum Videoprogramm, die Mixed-Media-Installation der Künstlerin Alison Darby, „Shift“ (2020-21), im Hof der Galerie präsentiert. „Shift“ ist ein skulpturaler Verweis auf Umbau und Veränderung und handelt von einer Teppichfabrik aus dem Jahr 1865, dem ältesten Industriegebäude auf der Spreehalbinsel Alt-Stralau. Aktuell wird die Fabrik zu einer exklusiven Wohnimmobilie umgebaut. Akustische Raumeindrücke, Radiomitschnitte zu historischen Ereignissen und die Stimmen von Menschen, deren Leben mit dem Ort verknüpft sind, fügen sich zu einem dichten Gewebe, das eineinhalb Jahrhunderte wechselvoller Geschichte umspannt, zusammen.

Vom 19. März bis 19. April zeigt die Künstlerin Beatrice Schuett Moumdijan ihre neue Fotoarbeit „Magic City (2021), welche als Plakatwerbung am Bahnhof in Bernau zu sehen sein wird. „Magic City“ stellt Stadtlandschaften aus alltäglichen Gegenständen, die die Künstlerin in ihrem Haushalt gefunden hat, dar. Aus der Zusammenstellung von Vasen, Boxen, Büchern, Broten, Dosen, Schachteln, Keksen, Holzklötzen, Adventskalenderschokolade sowie anderen Objekten und Lebensmitteln aus diversen Kulturkreisen entstehen fantasievolle Gebäude. Sie erinnern unter anderem an die zahlreichen im Osmanischen Reich und dem heutigen Artsak (Bergkarabach) zerstörten Kirchen der typisch armenischen Architektur.

Mit diesem neuen Jahresprogramm wird das Thema „Heimat“ in seiner Diversität und Komplexität beleuchtet. Es fängt bei den Grundfesten an und wächst mit den Jahreszeiten zu einem umfangreichen Kunstprogramm!

Arbeit von Sasa-Tatic.

Bildnachweise: @Beatrice-Schuett-Moumdjian / @Karsten Kelsch / @Sasa-Tatic

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