Habe ich Morbus Bechterew?

Rückenschmerzen können Symptome einer rheumatischen Erkrankung sein.

Alljährlich am 12.Oktober findet der Welt-Rheuma-Tag statt, der Aktionstag will die Aufmerksamkeit auch auf die entzündlich-rheumatische Erkrankung Morbus Bechterew lenken. Der Rheumatologe Prof. Dr. Denis Poddubnyy erklärt, wieso bei dieser Krankheit die Diagnosestellung so schwierig ist.

In Deutschland leiden etwa fünf Prozent der Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen unter Morbus Bechterew, einer chronischen Entzündung der Gelenke. Sie wird durch eine Autoimmunreaktion ausgelöst, die besonders die Wirbelsäule schädigt.

Rückenschmerzen durch Morbus Bechterew

Das Hauptsymptom von Morbus Bechterew sind Rückenschmerzen, die länger als drei Monate anhalten. Von Patienten und Ärzten werden sie häufig falsch eingeschätzt. „Viele denken dabei an eine nicht-entzündliche Ursache“, berichtet Prof. Dr. Denis Poddubnyy, „also an Abnutzung oder Verletzungen der Knochen, Gelenke, Muskeln oder Bandscheiben.“ Prof. Poddubnyy leitet die Rheumatologie am Campus Benjamin Franklin der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Aus seiner Erfahrung mit Morbus-Bechterew-Patienten weiß er, dass es Jahre dauern kann, bis die richtige Diagnose gestellt wird: „Das liegt vor allem daran, dass diese Erkrankung viele Facetten hat: Symptome und Verlauf können bei jedem anders aussehen. Männer erleiden häufiger strukturelle Veränderungen in der Wirbelsäule, die knöcherne Versteifung. Frauen hingegen haben häufig mildere Formen und weniger Verknöcherungen.“

Der Welt-Rheuma-Tag will dazu beitragen, dass rheumatische Erkrankungen wie Morbus Bechterew schneller erkannt werden. Experten informieren Betroffene und Angehörigen in Vorträgen über das Krankheitsbild und Therapieoptionen. Um den Weg zur richtigen Diagnose abzukürzen, bietet die Berliner Charité einen Online-Fragebogen an, mit dem sich Bechterew-Symptome in wenigen Minuten von Patienten eingrenzen lassen – den Bechterew-Check. Erhärtet sich der Verdacht, sollte ein Termin beim Rheumatologen folgen.

Wirksame Behandlungsmöglichkeiten

Morbus Bechterew ist nicht heilbar, kann bei rechtzeitiger Diagnose aber gut therapiert werden. Bei akuten Beschwerden helfen Antirheumatika, die schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken. Darüber hinaus können immunsuppressive Medikamente die Autoimmunreaktion dämpfen. Dazu zählen auch Biologika. Sie sind in der Lage, die Fehlsteuerung des Immunsystems gezielt zu blockieren.

Auch Bewegung spielt in der Therapie von Morbus Bechterew eine große Rolle, damit die Sehnen- und Muskelansätze um die Wirbelsäule und Gelenke herum gestärkt werden. Professor Poddubnyy ermutigt: „Dabei ist alles erlaubt, was vor der Erkrankung Spaß gemacht hat und was gut vertragen wird. Wer etwa schon immer gejoggt ist, kann das auch weiter tun. Optimal für alle ist Schwimmen, weil es gelenkschonend ist.“ Empfohlen werden zudem Volleyball, Tennis, Badminton, Nordic Walking, Skilanglauf und alle anderen Sportarten, die für eine aufrechte Haltung mit Drehbewegungen und Streckung des Rumpfes sorgen.

Prof. Poddubnyy leitet die Rheumatologie am Campus Benjamin Franklin der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Bildnachweis: Robystarm-CC0 via pixabay.com/Charité Berlin

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