Trotz Corona: Wann der Weg in die Praxis zwingend ist

Zahlreiche Menschen halten sich bewusst aus Arztpraxen und Kliniken in der Hauptstadt fern, weil sie sich vor Ansteckungsrisiken fürchten. Berliner Ärzte schlagen jetzt Alarm und nennen Beschwerden, bei denen ärztliche Konsultation zwingend notwendig ist.

Berliner Ärzte wegen Patientenrückgang alarmiert

Seit gut einem Monat sind Berliner Kliniken darüber alarmiert, dass wesentlich weniger Patienten mit Schlaganfällen oder Herzinfarkten im Krankenhaus erscheinen. Aus Angst vor Corona ignorieren viele Menschen ihre Beschwerden, um nicht ins Wartezimmer zu müssen. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin befürchtet, dass ignorierte Symptome auf lange Sicht zu Todesfällen führen werden. Dabei warnte der Kassenärzte-Chef schon im März davor, zu große Panik vor Corona-Infekten könne schwerwiegende Konsequenzen haben. Bei einigen Beschwerden sollte man nicht auf die Klinik verzichten oder zumindest einen Termin bei einem der Berliner Allgemeinärzte vereinbaren.

Welche Beschwerden sind Notfälle?

  • Bei Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen wegen Schlaganfall-Verdacht umgehend in die Klinik, um Hirngewebe zu bewahren.
  • Bei Gewichtsverlust mit Herzklopfen und Durchfall die Schilddrüse untersuchen lassen und Krebsverdacht ausschließen.
  • Bei akuten Brustschmerzen und plötzlicher Atemnot sofort Notarzt alarmieren und möglichweise verstopfte Herzkranzarterien in der Klinik öffnen lassen.
  • Bei Herzschrittmachern Kontrolltermine dringend wahrnehmen, damit die Batterien geladen bleiben.
  • Bei Knoten in der Brust, vergrößerten Lymphknoten und Absonderungen aus den Brustwarzen sofort zur Mammographie.
  • Mit Störungen beim Wasserlassen oder Stuhlgang Wirbelsäule untersuchen lassen.
  • Mit neuen Leberflecken oder veränderten Muttermalen möglichst bald zum Hautarzt.
  • Bei schmerzhaften Rötungen, Schüttelfrost und Fieberattacken Nottermine beim Dermatologen vereinbaren.
  • Bei Blut im Stuhl unbedingt zur Darmspiegelungen oder Krebsfrüherkennung.
  • Bei starken Schmerzen im Bereich des rechten Oberbauchs Gallenblase untersuchen lassen und im Entzündungsfall eine Notoperation vereinbaren.
  • Bei kolikartigen Bauchschmerzen mit Verstopfung oder Erbrechen an einen Darmverschluss denken und die Notaufnahme aufsuchen.
  • Bei deutlichen Schmerzen im Unterbauch an eine Blinddarmentzündung denken und die Klinik aufsuchen.
  • Bei plötzlichen Blutungen an Gebärmutterkrebs denken.
  • In der Schwangerschaft weiterhin Ultraschalluntersuchungen wahrnehmen.
  • Bei plötzlich schmerzenden, geschwollenen Beinen an eine Beinvenenthrombose denken und zur Ultraschalluntersuchung in die Klinik.
  • Bei weißen, schmerzenden Beinen einen Beininfarkt abklären lassen und gegebenenfalls zum gefäßchirurgischen Eingriff ins Krankenhaus.

Wie hoch ist das Corona-Ansteckungsrisiko in Berliner Praxen und Kliniken?

Deutschland hat die Coronakrise besser unter Kontrolle als viele andere Länder. Die Ansteckungsangst im Hinblick auf Kliniken und Arztpraxen halten zahlreiche Experten für nachvollziehbar, wenn mittlerweile auch relativ unberechtigt. Dank strenger Hygiene-Vorschriften und getrennter Eingänge für Corona-Erkrankte und andere Patienten stufen zahlreiche Mediziner das Ansteckungsrisiko in Kliniken als gering ein.

Auch die sinkenden Fallzahlen sind ein Grund dafür, dass immer mehr Experten eindringlich zur Wiederaufnahme von Vorsorgeuntersuchungen und anderen Arztbesuchen aufrufen. Behandlungen wie Chemotherapien sollten ohnehin nicht ausgesetzt werden. Dasselbe gilt für die Kontrolltermine chronisch Kranker. Die gesundheitlichen Spätfolgen der Pandemie würden sonst ins Unermessliche steigen, warnen zahlreiche Wissenschaftler.

Bildnachweis: CC0 iva pixabay.com

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