Tag der Streuobstwiesen: Die Regenwälder Brandenburgs

Apfelbaum mit vielen Äpfeln in Brandenburg ©Oliver Numrich
Streuobstwiese, hier ein Apfelbaum mit vielen Äpfeln in Brandenburg ©Oliver Numrich

Am Freitag, den 30. April 2021, wird erstmalig europaweit der Tag der Streuobstwiese begangen. In dieser Jahreszeit stehen in vielen Streuobstregionen Europas die Obstbäume in voller Blüte. Streuobstwiesen sind überaus artenreich und für viele bedrohte Arten besonders wertvoll. Deshalb fördert die Heinz Sielmann Stiftung in ihren Biotopverbünden, am Stammsitz bei Duderstadt und auch in Brandenburg den Erhalt und die Neuanlage sowie die Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Streuobstwiesen.

Wer heute einen Apfelbaum pflanzt, knüpft Hoffnungen auf eine möglichst baldige reiche Ernte von frischem, gesundem Obst an das Bäumchen. Aber ein Hochstamm-Apfelbaum, wie er auf einer Streuobstwiese typisch ist, braucht bis zu zehn Jahre, bis er eine nennenswerte Zahl von Äpfeln trägt. Erst mit 30 Jahren hat er seine volle Ertragskraft erreicht. In diesen Jahrzehnten muss er in vielerlei Hinsicht gepflegt werden. Das Wissen darum geht seit vielen Jahren in dem Maße zurück wie auch die Streuobstbestände sich über die vergangenen Jahrzehnte verringert haben. Damit verschwindet neben dem Wissensschatz ein ökologisch äußerst wertvoller Lebensraum für Tausende von Tier- und Pflanzenarten.

Stiftung fördert Kompetenzstelle Brandenburger Streuobstwiese

Deshalb hat sich die Heinz Sielmann Stiftung im vergangenen Jahr entschieden, gemeinsam mit dem Land Brandenburg, der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und vielen anderen Unterstützern die Entwicklung des Vereins Äpfel und Konsorten e. V. als Kompetenzstelle Brandenburger Streuobstwiese zu fördern. Der Verein ist seit 2012 aktiv. Er organisiert und koordiniert die Vernetzung der zahlreichen Streuobst-Akteure und -Initiativen im Land Brandenburg. Streuobstwieseneigentümer und -nutzer, Landschaftspfleger, Umweltschützer, Forstbehörden und andere Interessierte erhalten Zugang zu Daten und Fakten rund um die Brandenburger Streuobstwiesen. Auch hat der Verein ein Streuobstwiesen-Kataster angelegt, um zukünftig eine genauere Übersicht über die Brandenburger Bestände zu erhalten.

Regenwälder Brandenburgs

Der Verein Äpfel & Konsorten e. V. bezeichnet die Streuobstwiesen im Land als die Regenwälder Brandenburgs – wegen ihrer Bedeutung für die Artenvielfalt. Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas. 3.000 – 5.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten, teilweise vom Aussterben bedroht, finden Lebensraum auf Streuobstwiesen. Wildbienen und andere Insekten ernähren sich vom Pollen und Nektar der Blüten und vom Obst. Vögel, die sich von Insekten ernähren wie Wiedehopf, Steinkauz, Bienenfresser und viele andere, finden reichlich Nahrung und Nistplätze auf Streuobstwiesen. Auch Raubvögeln, die zum Beispiel Mäuse fressen, bieten die Obstwiesen ein passendes Nahrungsangebot. Aber auch Amphibien und Reptilien wie Kreuzotter, Blindschleiche, Zauneidechse und Erdkröte leben bevorzugt auf Streuobstwiesen.

Streuobstwiesen-Kataster

Im Brandenburger Streuobstkataster sind aktuell 1.766 Hektar Streuobstwiesen erfasst, informiert der Verein Äpfel und Konsorten e. V. Diese Datenbank ist die für das Land Brandenburg offizielle Erfassungsplattform und bildet den aktuellen Stand der Dinge ab. Der Bestand der Streuobstwiesen ist in Brandenburg um 70-80% zurückgegangen. Viele Wiesen sind überaltert und in einem schlechten Zustand, erklärt Oliver Exner, Vorstandsmitglied des Vereins.

Auch die wirtschaftliche Nutzung von Streuobstbeständen in Brandenburg will der Verein vorantreiben und damit den Schutz und die Weiterentwicklung des Bestandes sichern. Zehn Hektar Streuobstwiesen pflegt der Verein selbst. Die Wiesen werden extensiv bewirtschaftet, gepflegt und abgeerntet. Apfelsaft und Cider aus dem naturnahen Anbau sind als Produkte beim Verein erhältlich. Zugleich dienen die Obstwiesen auch als Schau- und Sortengarten für Umweltbildungsprojekte.

Streuobstwiesen in Deutschland und Europa

Streuobstwiesen-Hotspots in Deutschland sind Baden-Württemberg und Bayern, wo sich 40 beziehungsweise 20 Prozent der Flächen befinden. Insgesamt beheimatet Deutschland mit bis zu 300.000 Hektar die größten Streuobstbestände Europas. Neben Deutschland zählen die Bretagne, die Normandie, Luxemburg, die Schweiz, Österreich und Slowenien zu den wichtigsten Standorten für Streuobstwiesen.

Bereits im März wurde die Streuobstwiese von der deutschen Kommission der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (UNESCO) in die deutsche Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Wertvolles Wissen zur Pflege und Neuanlage der artenreichen Biotope soll erhalten und weitergegeben werden.

Bildnachweis: ©Oliver Numrich

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